Mittwoch, 7. April 2010

Katzenmenschen (1982)

Paul Schraders Remake des Klassikers von Jacques Tourneur sorgte im Erscheinungsjahr für einiges Aufsehen, zum einen wegen der fantastischen Make-Up-Effekte, zum anderen wegen des Inzest-Themas, das im Original keine Rolle spielte, hier aber wesentlicher Bestandteil des Plots ist.

Die Story von Dewitt Bodeen wurde ansonsten nur geringfügig geändert. Die junge Irena (Nastassja Kinski) kommt zu ihrem Bruder Paul (Malcolm McDowell) nach New Orleans. Er offenbart ihr ein schreckliches Geheimnis: sie beide sind Katzenmenschen, die sich beim Liebesakt in reißende Panther verwandeln. Nur die inzestuöse Liebe kann sie von dem Fluch befreien. Irena weigert sich, und Paul wird kurz darauf als Panther gefangen und in einem Zoo eingesperrt. Irena verliebt sich in den attraktiven Zoodirektor (John Heard), doch der Fluch belastet sie immer mehr...

Während Tourneurs Original ein zeitloser Klassiker der Filmgeschichte ist und bleibt, weist sich Schraders Remake so sehr als 80er-Produkt aus, dass er heute eher nostalgische Gefühle weckt als überzeugend zu genießen ist. Angefangen von der Oscar-nominierten Musik von Giorgio Moroder (mit einem ebenfalls nominierten Song von David Bowie) über die Frisuren und Kostüme bis zur Werbe-Ästhetik der Inszenierung steht diese Produktion voll und ganz im Zeichen der 80er. Das heißt aber nicht, dass "Katzenmenschen" ein schlechter Film ist. Zumindest erzählt er eine fantasievolle Geschichte und verlässt damit die ausgetrampelten Horror-Pfade des Slasherfilms, der seinerzeit in Mode war. Seine Themen und Charaktere sind erwachsen und weitgehend interessant, Paul Schrader fängt die Atmosphäre von New Orleans stimmungsvoll ein. Das Tempo ist allerdings zu langsam geraten, so dass sich mehrere Längen einschleichen und zeitweise sogar Langeweile aufkommt.

Natürlich kann Schrader mit der S/W-Kunst des Originals nicht konkurrieren, dennoch gelingen ihm einige beeindruckende Szenen. Die besten sind dabei 1:1 aus Tourneurs Film entnommen, nämlich die bedrohliche Verfolgung von Annette O'Toole durch den Park und in einem Schwimmbad. Hier kopiert Schrader einstellungsgetreu das Original, vermutlich weil man diese Sequenzen auch 40 Jahre später nicht besser inszenieren kann. Sie funktionieren aber auch in der Neufassung.

Was an "Katzenmenschen" am deutlichsten in Erinnerung bleibt, ist Nastassja Kinskis sensible Darstellung in der Hauptrolle. Sie wirkt immer ein bisschen abwesend und nicht ganz von dieser Welt. Neben ihr agiert Malcolm McDowell gewohnt exaltiert, hat aber viel Spaß mit seiner Rolle des Mensch gewordenen Panthers, der sich vor Mordlust und Verlangen nach seiner Schwester kaum zügeln kann. Die "braven" Charaktere werden überzeugend von John Heard und Annette O'Toole verkörpert. Leider kommt O'Tooles Figurenzeichnung und Darstellung nicht an die von Jane Randolph gespielte Alice im Original heran.

Wirklich schlimm ist allein die Titelsequenz (das alte Land der Katzenfrauen und Raubkatzen), die laut Drehbuch noch ausgebaut werden sollte - gottseidank ist das nicht passiert, denn die Szenerie war schon damals eine absolut kitschige Geschmacksverirrung.
Insgesamt bietet "Katzenmenschen" recht gute Unterhaltung für 80er-Nostalgiker. Ein Meilenstein des Horrorfilms ist er bei weitem nicht.

06/10

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