Samstag, 17. April 2010

Julie & Julia (2009)

In Nora Ephrons JULIE & JULIA geht es um zwei Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten französische Gerichte kochen und darüber schreiben, dass und wie sie kochen. Julie (Amy Adams) verfasst im Jahre 2002 einen Blog darüber, wie sie die Rezepte der berühmten Vorköchin Julia Child (Meryl Streep) aus den 60er Jahren nachkocht.

Beim Lesen der Inhaltsangabe drängen sich spontan zwei Fragen auf:

1. Wo soll der Witz herkommen?

2. Ist das wirklich alles, worum es geht?

Die zweite Frage kann mit einem klaren "Ja" beantwortet werden.
Die erste mit "Ich weiß es nicht".

Der Witz dieser "Komödie" ist möglicherweise im Backofen stecken geblieben oder wurde bei den Dreharbeiten zerkocht. Weder sind die Koch-Orgien der Damen komisch noch die Charaktere, Dialogwitz ist nur rudimentär vorhanden. Die von Amy Adams gespielte Julie ist geradezu nachlässig uninteressant und uncharismatisch.
Zuzusehen, wie Adams und Streep sich durchs Leben kochen und ansonsten nichts, aber auch gar nichts erleben, ist eine Tortur, die bei Amnesty International aufgelistet werden sollte. Dramatische Wendungen? Konflikte? Fehlanzeige. Das schlimmste Ereignis besteht darin, dass Amy Adams das Boeuf Bourguignon anbrennt, weil sie auf der Couch eingeschlafen ist (ebenso wie der Zuschauer).

Gefilmt ist das alles in hübschen Farben und Settings, wobei Frau Ephron keinen Unterschied in ästhetischer Hinsicht bezüglich der beiden Zeitepochen macht. Alles ist bunt, lecker, saftig. Die Koch-Sequenzen machen Appetit aufs Essen, das ist die einzige Emotion, die JULIE & JULIA zu vermitteln gelingt.

Was die Darsteller angeht, haben wir es hier mit den Streep-Festspielen zu tun. Amy Adams war bereits deren Partnerin in "Glaubensfrage", Streeps Film-Ehemann Stanley Tucci spielte mit ihr in "Der Teufel trägt Prada" und wird völlig verschenkt.
Kommen wir zu Meryl Streep - eine Schauspielerin, die ich seit den 80ern bewundere und mir auch in minderwertigen Filmen gern anschaue. In JULIE & JULIA hat sie mich nach zehn Minuten so sehr genervt, dass ich für den Rest des Films kurz davor war, die Schnellvorlauftaste bei ihren Szenen zu drücken. Für die Darstellung der Julia Child hat sie sich zwar des gesamten Gehabes ihres realen Vorbilds angenommen, ihr Spiel ist aber außerhalb jeder Kontrolle und besteht aus sämtlichen Manierismen, die sie sich in den letzten Jahrzehnten angeeignet hat. Ihre durchgehend enervierende Kopfstimme, der konstante Singsang ihrer Sprache (beides wird in der deutschen Synchronisation abgemildert), die bis zur Karikatur entstellte Trutschenhaftigkeit (gibt es das Wort?) der Julia-Figur sind das Schlimmste, was ich je von ihr gesehen habe. Dass sie dafür einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung bekam, spricht nicht für ihre Leistung, sondern gegen das Hollywood-Prinzip, welches dem größten Overacting die meisten Preise beschert.

Regisseurin Ephron hat nach ihrer großartigen Arbeit an "Harry & Sally" und dem kommerziellen Erfolg von "E-Mail für dich" keinen Hit mehr gelandet. Das Nicole Kidman-Desaster "Verliebt in eine Hexe" war ihre letzte Filmkatastrophe. JULIE & JULIA lief zwar erfolgreicher (zumindest in den USA, wo die Köchin Child eine Ikone ist), aber qualitativ hat sie sich kaum verbessert.

Da ich begeisterte Meinungen über den Film hörte, die allesamt von Frauen stammen, mag es sein, dass mir aufgrund meiner Geschlechtszugehörigkeit ein Reiz des Films entgangen ist. Mir tun dennoch die Männer leid, die sich ihren Frauen zuliebe dieser Folter ausgesetzt haben, zwei Stunden lang witzlos kochenden Frauen zuzuschauen.

Hier noch eine weitere Filmidee: "Pablo & Pablo" über einen jungen Mann, der Picassos Bilder nachmalt, Lauflänge drei Stunden (malen dauert länger als kochen), aber Halt! Dazu ist Picassos Leben zu interessant... funktioniert nicht, schade.

01/10

Kommentare:

  1. Kicher...bin ich froh, dass ich diese DVD gestern nicht gekauft habe. Hatte sie schon in den Händen...

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  2. Hallo Ray, das Geld ist für ein gutes Essen besser angelegt, zumal man dieses auch verzehren darf und nicht nur zuschauen muss... grins

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  3. So eine "Kritik" kann natürlich auch nur ein Mann schreiben. Ich sehe mehr in diesem Film, wie nur das Kochen. Aber ich bin auch eine Frau und spüre die Selbstzweifel, die Krisen die es zu meistern gilt und das gesetzte Ziel, welches in beiden Fällen erreicht werden will. Es geht in diesem Film nicht um Aussehen oder eine gute Darstellung von Amy Adams oder Meryl Streep. Es geht vielmehr darum, dass Julia Child und Julie Powell so authentisch wie möglich dargestellt werden. Und wenn man sich beispielsweise ein wenig näher mit Julia Child beschäftigt, dann bemerkt man, dass Meryl sie mehr als perfekt getroffen hat. Und man sollte ihn diesem Fall vielleicht nicht von Meryl genervt sein, sondern eher von Julia, die nun mal so war, wie dargestellt und dadurch ziemlich laut wirkt. Und das sie einen Globe oder eine Oscarnominierung nicht verdient hat ist Ansichtssache. Nur kann man gerade nicht in Bezug auf Meryl Streep davon sprechen, dass sie "Overachting" ist. Das ist sie bei weitem nicht. Sie ist nicht ohne Grund, die Schauspielerin, die die meisten Nominierungen hat. Und leider auch zu oft "verloren" hat. In einigen Fällen sicher berechtigt, aber sie wurde auch leider oft übergangen. Und die Acadamy macht sich inzwischen einen Spaß daraus sie zu nominieren und dann den Oscar jemandem zu geben, der ihn nicht durch Leistung, sondern Eigenwerbung bekommen hat. Um gute Schauspielkunst geht es in Hollywood schon lange nicht mehr. Es zählt nun mal nur, wer am besten schleimt. Man kann Durchschnitt sein, und bekommt den Preis. Wenn man aber wie Meryl eben genau dies nicht tut und sich auch noch öffentlich dagegen äußert, geht man eben leer aus. Ich finde es gut, denn sie ist sich immer treu geblieben. Und das macht sie zu etwas Besonderem. Nun geht es mir aber gar nicht darum, Meryl und ihre Schauspielkunst schön zu reden. Jeder hat einen anderen Geschmack. Aber wenn es um Filme geht, die das Kochen angehen, sollte man vielleicht als Mann die Finger davon lassen und doch wieder auf Rambo zurückgreifen...;)

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  4. Na na na, nicht alle Männer mögen "Rambo", ich zum Beispiel nicht. Ich mag auch Filme übers Kochen wie "Eat Dring Man Woman", ich brauche aber mehr als das, was "Julia & Julia" mir anbietet, da war einfach zu wenig Füllung in der Torte, um es mal so auszudrücken.
    Dass viele Streeps Darstellung für genial halten, ist mir bekannt, ich bin trotzdem anderer Meinung. Man kann eine Figur auch einfangen, indem man sie nicht bis zum Abwinken imitiert (Phllipp Seymour Hoffmann in "Capote" ist auch so ein Beispiel), das hat mit Schauspielerei in meinen Augen nichts zu tun - aber auch da gehen die Meinungen natürlich auseinander.

    Wenn Sie sich in meinem Blog etwas umschauen mögen, werden Sie feststellen, dass ich vielen sog. "Frauenfilme" liebe. Ganz so einfach ist es mit Männern und Frauen (leider oder gottseidank?) nicht... :-)

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