Dienstag, 20. April 2010

Innenleben (1978)

INTERIORS war er der erste rein dramatische Film des Komödien-Meisters Woody Allen und gleichzeitig seine Hommage an das große Vorbild Ingmar Bergman.
Die Handlung: nachdem ein Familienvater sich von seiner labilen Ehefrau (großartig: Geraldine Page) trennt, um mit einer Jüngeren zusammen zu leben, stehen die drei Töchter (Diane Keaton, Mary Beth Hurt und Kristin Griffith) vor den Scherben eines Familienlebens und ihrer eigenen einsamen Existenz. Die Themen: neurotische Menschen am Rande des Nervenzusammenbruchs, Existenzängste, Suizid, Selbstmord, Vergewaltigung.

Vieles in INTERIORS erinnert tatsächlich an Bergman - die spärliche Ausstattung, die zurückhaltende Kameraarbeit, die Schauspielführung. Hier legt Allen größten Wert auf die Farbdramaturgie, auch der Ton wird genial eingesetzt. Der Film ist überwiegend so diskret, intim und leise, dass man sich kaum räuspern möchte, dann aber werden immer wieder emotionale Momente durch den Ton verstärkt - das plötzliche Abreißen des Klebebands, wenn Geraldine Page sich umbringen will, oder der spontane Lärm, den sie in der Kirche veranstaltet, als sich ihr Mann endgültig trennt. Es gibt keinen Filmscore, was den intensiven Eindruck des Films verstärkt - lediglich in einer Szene ertönt Musik vom Plattenspieler.

Einfach alles an INTERIORS ist - wie die Besessenheit seiner Hauptdarstellerin Geraldine Page für Inneneinrichtungen - großartig aufeinander abgestimmt und entfaltet eine enorme dramatische Wucht. Obwohl der Film behutsam und langsam erzählt ist, wirkt er unglaublich spannend. Dazu ist er absolut zeitlos, wirkt heute noch genauso frisch und beklemmend, wie er es seinerzeit getan haben muss.

09/10

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