Dienstag, 20. April 2010

Hundstage (1975)

Mit HUNDSTAGE (Dog Day Afternoon) schuf Regisseur Sidney Lumet 1975 einen der großen Klassiker des New Hollywood.

Basierend auf einer wahren Begebenheit erzählt HUNDSTAGE von einem heißen Sommertag in New York, an dem Sunny (Al Pacino) und sein Kumpel Sal (der großartige John Cazale in einer Rolle, die ursprünglich für einen 18-jährigen geschrieben wurde) eine Bank ausrauben wollen, sich dabei aber so ungeschickt anstellen, dass die Polizei bald die Bank umstellt und ein gnadenlos zermürbender Psycho-Krieg beginnt, der alle an den Rand ihrer Leidensfähigkeit bringt...

HUNDSTAGE ist ein Film, der so nur in den 70ern gemacht werden konnte. Lumets Inszenierung ist völlig ungekünstelt und unglaublich naturalistisch. Von der fehlenden Filmmusik über die zerkratzten Fensterscheiben der Bank bis zu den schweißnassen Darstellern, die unter dem Stress und der Hitze fast zusammenbrechen, wirkt alles in HUNDSTAGE realistisch und authentisch. Es gibt nicht einen gekünstelten Moment im gesamten Film. Die Darsteller durften ihre Texte improvisieren, die Menge an Schaulustigen, die sich vor der Bank versammelt und gierig das Schauspiel verfolgt, stammt zu großen Teilen aus echten Schaulustigen, und in der Hauptrolle entfesselt Pacino mit seinem hypernervösen, problembeladenen und dennoch sympathischen (Anti-)Helden ein so gigantisches Feuerwerk, das man kurz verschnaufen muss, um zu sagen - DAS ist ein Schauspieler! Der pure Wahnsinn.

Das Telefonat, das er mit Chris Sarandon spät im Film führt (Sarandon spielt Pacinos Geliebten, für dessen Geschlechtsumwandlung dieser den Bankraub überhaupt durchführen wollte), und das beide mehr oder weniger improvisierten, ist in die Filmgeschichte eingegangen, ebenso der Moment, in dem Pacino die johlende Menge vor der Bank mit seinen "Attica"-Rufen aufputscht. Es gibt keine Klischees im Film (man beachte nur, wie die Frauen in der Bank sich mit der Situation abfinden und sich allesamt wie Menschen verhalten, anstatt ängstliche oder kreischende Nervenbündel abzugeben), alle Figuren werden von glaubwürdigen Motivationen für ihr Handeln getrieben. Es gibt kein Gut oder Böse, Pacinos Kampf gegen die Polizei wird von der Masse als Kampf des Einzelnen gegen die Staatsautorität bejubelt, die Medien suchen die plakativste Geschichte, blenden sich aber sofort aus, wenn sie selbst in Frage gestellt werden.

Alles an HUNDSTAGE ist präzise beobachtet, zutiefst menschlich und psychologisch fesselnd.
Die brütende Hitze der Stadt treibt auch dem Zuschauer den Schweiß auf die Stirn, obwohl die Dreharbeiten im kalten Herbst stattfanden. Und Lumet findet in all dem Drama so viel absurden Humor, dass sein Film auch als grimmige Komödie (zumindest bis zum letzten Drittel) durchgehen kann. Ein Meisterwerk von der dokumentarischen Anfangsmontage bis zu den Schlusstiteln. Wichtig, aufwühlend und mit das Beste, was Hollywood in den 70ern hervorgebracht hat. HUNDSTAGE erhielt einen Oscar für das beste Original-Drehbuch.

10/10

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