Donnerstag, 1. April 2010

Fluch des Wahnsinns (1947)

Der US-Thriller CRY WOLF ist gelegentlich bei uns im Nachtprogramm zu sehen und trotz der Top-Stars Barbara Stanwyck und Errol Flynn leider kaum bekannt, dabei handelt es sich um einen sehr stimmungsvollen Grusler, der seine Spannung konstant halten kann und mit einer unerwarteten Auflösung der düsteren Geschehnisse aufwartet.

Worum geht es? Stanwyck erscheint auf dem abgelegenen Herrenhaus ihres verstorbenen Gatten zur Testamentseröffnung, sehr zur Überraschung des dubiosen Onkels Errol Flynn, der nichts von dieser Verbindung wusste und die Witwe so schnell wie möglich loswerden möchte. Während ihres Aufenthalts aber geschehen immer mysteriösere Dinge, und schließlich kommt sie der schrecklichen Wahrheit auf die Spur...

Aus heutiger Sicht wirkt CRY WOLF zwar älter als er ist, aber Freunde von gepflegten S/W-Gruslern dürften ihre helle Freude an diesem dunklen Melodram haben. Das Setting scheint direkt aus Hitchcocks "Rebecca" zu stammen, und so spielt der stets unterschätzte Errol Flynn auch seine Version von Maxim de Winter, einen stoischen, eitlen Hausherrn, dessen Motive lange unklar bleiben, und dem man mehr als nur eine Intrige oder Erbschleicherei zutraut. Das macht er ganz ausgezeichnet. Der reifere Flynn ist für mich ohnehin sehr viel interessanter als der jugendliche Pirat und Draufgänger. In Nebenrollen sind die junge Geraldine Brooks (in ihrer ersten Filmrolle) und Richard Basehart zu sehen, beide verblassen aber neben Flynn und der wundervollen Barbara Stanwyck, die wieder einmal eine ihrer intelligenten, kämpferischen und unabhängigen Frauen spielen darf, für die wir sie so lieben. Sie muss hier alle Aktionen übernehmen, die üblicherweise von männlichen Helden absolviert wurden. Sie klettert über Zäune, wird vom Pferd geworfen, hangelt sich durch Service-Fahrstühle, etc. Stanwycks Sportlichkeit und energischer Wille kommen dem Film ungemein zugute.

Viele Zuschauer fanden das Ende und den finalen Twist (den ich nicht verraten werde) von CRY WOLF nicht überzeugend, vergessen dabei aber, dass damals andere Zeiten herrschten. Heute würde diese Auflösung selbstverständlich nicht mehr funktionieren, insofern muss man einige Zugeständnisse machen. Wenn man dazu in der Lage ist, kann man diesen wirklich atmosphärischen und fesselnden kleinen Klassiker uneingeschränkt genießen.

09/10

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