Mittwoch, 28. April 2010

Ein Sohn (2003) / Der kleine Tod (1995)

Das Problem mit dieser DVD ist, dass die beiden Filme, die hier unter dem Oberbegriff "Söhne" zusammengefasst werden, nicht wirklich zusammenpassen - was noch nichts über deren Qualität aussagt.

"Ein Sohn" ist ein stiller kleiner Film (ca. eine Stunde Laufzeit) über einen Vater, der nach dem Tod des Sohnes von dessen Doppelleben als Stricher erfährt. Der Film ist ansatzweise besonders in seiner Schweigsamkeit ausgezeichnet, kommt aber um ein paar Klischees auch nicht herum und endet leider, als es gerade auf psychologischer Ebene richtig spannend wird - denn wie nun der Vater mit dem gerade erfahrenen Doppeleben seines Sprösslings umgeht, sehen wir nicht mehr. Das ist schade, aber man sollte nicht beklagen, was nicht vorhanden ist, und so bleibt ein unterhaltsamer, kleiner Film mit einem - das soll nicht unerwähnt bleiben - intensiven und sehr attraktiven Hauptdarsteller.

Francois Ozons "Der kleine Tod" ist da schwieriger. Er ist vom Ton her ähnlich (düster und humorlos), aber bei weitem nicht so gelungen (und das fällt mir als großem Bewunderer von Ozon wirklich schwer zu sagen). Hier wird die Lakonie zur Banalität, die Dialoge sind schlecht, die Charaktere uninteressant bis anstrengend. Der Film wirkt einerseits zu kurz, um wirklich etwas zu erzählen, auf der anderen Seite hat er leider auch nicht viel zu erzählen. Dass die Hauptfigur Männer beim Orgasmus fotografiert, ist der einzige (und sehr ausgedachte, künstliche) Einfall des Ganzen. Die Tabu-Überschreitung, wenn er seinen sterbenden nackten Vater fotografiert, wirkt gewollt und unangenehm.

Beide Filme haben das Problem, dass sie sich zu ernst und wichtig nehmen. Wie so viele schwule Filme wollen sie um jeden Preis Tragödien erzählen, ihre schwulen Helden tragen das Unglück der ganzen Welt mit sich herum und erleben nie einen Augenblick der Freude. Aber diese Geschichten kann man durchaus auch mit einem Augenzwinkern und Lockerheit erzählen kann. Ernsthaftigkeit bedeutet nicht zwangsläufig Humorlosigkeit und führt oft zu über-langsamen, verkrampften Inszenierungen.

Francois Ozon hat später bewiesen, dass er mit ein wenig mehr Leichtigkeit und Tempo großartiges Charakterkino machen kann ("Swimming Pool" und "5x2") und gehört heute zu den wichtigsten Regisseuren des französischen Kinos. Hier probiert er sich noch aus.

04/10

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