Dienstag, 20. April 2010

Ein kalter Tag im Park (1969)

Die großartige Sandy Dennis ("Wer hat Angst vor Virginia Woolf?") spielt hier eine reiche, aber einsame Enddreißigerin, die isoliert in ihrem noblen Apartment mit Blick auf den Park wohnt, von wo aus sie eines Tages einen jungen Mann (Michael Burns) beobachtet, der dort im Regen auf einer Parkbank sitzt. Sie bittet ihn hinein, damit er sich aufwärmen kann. Er spricht nicht, sie kümmert sich um ihn. Sie kleidet und badet ihn, gibt ihm zu Essen, er zieht bei ihr ein. Aus der anfänglich zarten Beziehung wird aber bald eine Obsession...

In diesem düsteren Psychodrama, das sich im weiteren Verlauf zum Thriller entwickelt, konzentriert sich Regisseur Robert Altman ganz auf die angeschlagene Psyche seiner weiblichen Hauptfigur, die von Sandy Dennis meisterhaft porträtiert wird. Hinter ihrer Freundlichkeit und tadellosen Fassade lauern bösartige Abgründe. "Ich weiß noch, wie einsam meine Mutter war, als mein Vater starb", sagt sie, und die Angst vor dieser Einsamkeit treibt sie zu Verzweiflungstaten. Michael Burns als 19-jähriges Objekt ihrer Begierde, muss nicht viel spielen, das übernimmt Dennis für ihn mit. Auch sein Charakter erfährt eine überraschende Wendung. Im Grunde handelt es sich hier um ein Zwei-Personenstück, die Handlung verlässt kaum Dennis' Apartment.

Dank der exzellenten Kameraführung von Laszlo Kovacs bleibt das Kammerspiel aber über die meiste Zeit interessant, oft sehen wir die Protagonisten verzerrt durch Spiegel und Glasscheiben, die ständige Dunkelheit in der Wohnung schafft ein Gefühl von Klaustrophobie. Einige kleinere Längen schmälern zwar den Gesamteindruck, aber insgesamt ist THAT COLD DAY ein sehenswerter Film, der unverständlicherweise völlig unbekannt ist.

06/10

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