Dienstag, 20. April 2010

Dieses obskure Objekt der Begierde (1977)

DIESES OBSKURE OBJEKT DER BEGIERDE von 1977 war der letzte Film des großen Luis Bunuel. Erzählt wird die Geschichte des wohlhabenden Matthieu (Fernando Rey), der sich in die junge Spanierin Conchita verliebt und alles daran setzt, sie zu erobern. Aber kein Geld der Welt kann dafür sorgen, dass sich die Schönheit endlich hingibt...

Der Geniestreich von Bunuel besteht darin, Conchita abwechselnd von der betörenden Carole Bouquet und der sinnlichen Angela Molina spielen zu lassen. Das ist nicht nur faszinierend anzuschauen, es offenbart auch Matthieus Sicht auf Frauen und den männlichen Umgang mit Begierde und Liebe, bzw. deren Unfähigkeit, die Begriffe auseinander zu halten. Der Mensch Conchita ist Matthieu letztlich egal, er will die körperliche Vereinigung, will sie um jeden Preis besitzen. Dass die "große Liebe" danach sterben wird, ist allen Beteiligten außer Matthieu klar, und so macht er sich zu einem jämmerlichen Trottel, der verzweifelt an engen Korsetts herumfummelt, die er nicht aufbekommt, und explodiert fast aufgrund seiner unerfüllten erotischen Sehnsüchte, während Conchita ihn mit großen Augen ansieht und mit Recht sagt: "Aber wir sind doch zusammen!"

Die Vorlage, auf der DIESES OBSKURE OBJEKT... basiert, wurde bereits mit Marlene Dietrich und Brigitte Bardot verfilmt, dort war die Titelheldin eine klassische Femme Fatale, die den Mann zerstören will. Bei Bunuel darf sie gleichzeitig unmoralisch und unschuldig sein, sie spielt nur ihre Rolle in einem Spiel, das von Männern erfunden wurde, sie stellt Sex (bzw. die Verweigerung) dem Geld als Machtinstrument gegenüber. Bunuels Film darf auch als Bestandsaufnahme einer durch und durch bigotten Gesellschaft verstanden werden. Conchitas Mutter ist streng katholisch und verbietet ihrer Tochter, eine Arbeit anzunehmen, damit diese dort nicht "schlimme Worte" lernt, gegen Bargeld hat sie aber nichts dagegen, Conchita an den älteren Matthieu zu verkuppeln.

Während sich das erotische Drama abspielt, werden regelmäßig terroristische Anschläge verübt, welche die handelnden Personen aber überhaupt nicht weiter beachten. Die Entjungferung der Nymphe ist vorrangig. Einige weitere surreale Einfälle (wie das Zuschnappen einer Mausefalle, wenn Matthieu Conchitas Mutter besticht, oder eine ertrunkene Fliege in Matthieus Glas) kennzeichnen den Film als typischen Bunuel.

DIESES OBSKURE OBJEKT... ist ein kluges, humorvolles und äußerst unterhaltsames Alterswerk über den ewigen Kampf der Geschlechter, der von keiner Seite gewonnen werden kann. Im direkten Vergleich mit Bunuels großartigem Meisterwerk "Der diskrete Charme der Bourgeoisie" fällt er ein wenig ab, doch das soll und kann keine Kritik sein.
Die FSK hat den Film übrigens zunächst ab 16, dann - nach einer Neuprüfung - ab 12 freigegeben.

07/10

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