Dienstag, 20. April 2010

Die Schwestern des Bösen (1973)

Mit SISTERS (Die Schwestern des Bösen) hat Regisseur Brian De Palma nach mehreren Arthaus- und Avantgarde-Filmen ("Greetings") 1973 seinen ersten echten Thriller gedreht und seinen Ruf (der für ihn mehr ein Fluch ist) als Hitchcock-Imitator begründet. Tatsächlich orientiert sich SISTERS strukturell sehr an PSYCHO, auch wenn De Palma visuell völlig andere Wege geht.

Die Story ist schnell erzählt - die kritische Journalistin Grace Collier (Jennifer Salt) beobachtet von ihrem Fenster aus einen blutigen Mord. Da sich keine Leiche findet, forscht die Reporterin selbst nach und gerät bald in Lebensgefahr.

So konventionell das klingen mag, so unkonventionell und teilweise experimentell ist der Film selbst (es waren die 70er). Eine missratene Trennung siamesischer Zwillinge, eine schizophrene Mörderin, ein skurriler Privatdetektiv, eine Leiche im Sofa, die niemand entdeckt, eine dominante Mutter (in bester Hitchcock-Tradition), Voyeurismus, literweise Kunstblut, schwarzer Humor und noch vieles mehr verbindet De Palma zu einem wahrhaft wahnsinnigen Filmerlebnis, das ebenso spannend wie auf absurde Weise komisch ist.

Die Split-Screen verwendet er auf geniale Weise zur parallelen Erzählung (tatsächlich habe ich die etwas befremdliche Split-Screen-Technik nie beser eingesetzt gesehen als in SISTERS), im Finale taucht der Film sogar ganz in die Psyche seiner Hauptfigur ab und serviert eine schwarz/weiße Rückblende, bei der einem schlicht der Atem stockt. Das ist pures avantgardistisches Kino und weit entfernt vom Mainstream.

Hitchcocks Lieblingskomponist Bernard Herrmann hat für SISTERS einen beängstigenden, schrillen Score komponiert. Anekdote am Rande: De Palma wollte ursprünglich bis zur ersten Mordsequenz keine Musik im Film verwenden, was Bernard Herrmann furchtbar fand. De Palma meinte, bei Hitchcock würde das doch auch gehen, woraufhin Herrmann nur kühl erwiderte: "Sie sind aber nicht Hitchcock".

Fazit: Für Cineasten ist SISTERS ein Juwel, voller Ideen, Witz, Spannung und Horror, für mich nach wie vor eines von De Palmas besten Werken. Die Kreativität, die er in SISTERS zeigt, ist ihm in den letzten Jahren deutlich abhanden gekommen, leider.

2007 ist ein völlig überflüssiges Remake von SISTERS produziert worden, das lediglich zeigt, wie gut das Original ist. Und zuletzt sollte nicht unerwähnt bleiben, dass De Palma immer wieder Frauenfeindlichkeit vorgeworfen wird. Alle Mordopfer in SISTERS hingegen sind - Männer.

10/10

Kommentare:

  1. Hast du das schon gesehen? ? ?
    http://www.imdb.com/title/tt1829012/

    Hab mir eben durch Zufall den Trailer angesehen und erst zum Schluß erkannt, um was es sich hier handelt :-D

    Liebe Grüße

    Billy

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  2. Hallo Billy, hab' ich schon gesehen, ich weiß aber nach den letzten De Palma-Filmen nicht mehr so recht, ob ich mich darauf freuen soll... so rein vom Trailer her kann man nichts sagen, oder? Noomi Rapace finde ich allerdings seit der Millennium-Trilogie klasse.

    Herzliche Grüße, Mathias

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  3. Hey,

    also ganz ehrlich: Weiß nicht warum, aber der Trailer macht mich total an,diese Maske sieht cool aus ;-)...Und Rachel McAdams (genau wie Melissa George) sieht man leider viel zu selten! Ja, die Noomi ist seit Prometheus leider etwas in meinem Ansehen gesunken, wirklich toll fand ich das nämlich nicht... Es sieht zwar eher wie ne Direct-to-Video Produktion aus, aber ich bin gespannt! :-D Bin etwas verwundert- das Original mit Kristin Scott Thomas & Ludivine Sagnier nicht kenne!

    Grüße
    Billy

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  4. Hallo Billy, Prometheus habe ich noch nicht gesehen (bin auch nicht sicher, ob ich den sehen möchte...). Direct-to-Video stimmt, so ging es mir auch, insofern hat mich der Trailer nicht besonders angesprochen. Anschauen werde ich mir "Passion" auf jeden Fall, zumal Pino Donaggio wieder die Musik macht. Das sollte ein Grund zur Freude sein.
    Grüße, Mathias

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  5. Prometheus ist durchaus sehenswert, wenn auch kein Meisterwerk. Warum die Noomi da durchgefallen ist, kann ich nicht nachvollziehen. Ich fand sie hat sehr gut gespielt - allerdings im Vergleich zu den anderen war das auch nicht schwer (Michael Fassbender mal ausgenommen). Ich kenne sie auch noch von keinem anderen Film, daher fehlen mir die VErgleiche.
    Schau ihn Dir an - ich kann es empfehlen. Hab heute mal eine Filmkritik zu geschrieben: http://der-schwarze-planet.de/filmkritik-prometheus-dunkle-zeichen/

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  6. Noomi Rapace fand ich im schwedischen "Verblendung" (2009) sensationell, aber es war klar, dass sie in Hollywood die eher uninteressanten Rollen abbekommt und mehr auf ihr Äußeres hin besetzt wird. Das kommt ja leider sehr oft vor (ich sage nur Penelope Cruz). LG!

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