Montag, 19. April 2010

Die Nacht hat tausend Augen (1948)

Nach einer Vorlage von Cornell Woolrich inszenierte John Farrow (Vater von Mia) 1948 den düsteren, enorm spannenden Noir/Fantasy-Mix NIGHT HAS A THOUSAND EYES - nicht zu verwechseln mit dem Elizabeth Taylor-Vehikel "Die Nacht der tausend Augen" von 1973.

Der immer grandiose Edward G. Robinson spielt hier einen Wahrsager, der in Varietés auftritt und von ständigen Visionen geplagt wird, wegen denen er bereits seine Frau verlassen musste und nun als einsame Gestalt ein kümmerliches Dasein fristet. Als er Jean (Gail Russell), der Tochter eines ehemaligen Partners, der tragischerweise bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam (welchen Robinson voraussah), begegnet, sieht er ihren bevorstehenden Tod voraus. Die Polizei entdeckt jedoch, dass der Flugzeugabsturz ihres vermögenden Vaters absichtlich herbeigeführt wurde. Nun gerät Robinson unter Verdacht, nicht nur ein Scharlatan, sondern ein Mörder zu sein, während er gleichzeitig versucht, das drohende Schicksal von Jean aufzuhalten...

Mit seinen knapp 80 Minuten Lauflänge bietet NIGHT HAS A THOUSAND EYES so viel Spannung und Drama, dass es für mehrere Filme gereicht hätte. Robinson brilliert wieder einmal als tragische Figur, mit der man als Zuschauer umgehend Mitleid empfindet. Seine dunklen Vorahnungen haben ihn zu einem Verzweifelten, einem Geist werden lassen, der keinen menschlichen Kontakt mehr zulässt, weil er nicht mehr Zeuge ihres Schicksals werden will. Als er einem Jungen nach einer schrecklichen Vorahnung ein Trinkgeld gibt, damit dieser sicher nach Hause kommt, läuft dieser direkt vor ein Auto. Robinson ist von Tod und Trauer nicht nur umgeben, er fühlt sich verantwortlich.

Regisseur John Farrow erschafft eine traumähnliche Atmosphäre, die einem Jacques Tourneur nahe kommt. So besteht Robinsons Welt fast ausschließlich aus Schatten und Dunkelheit. Auf dem Höhepunkt beginnt sich die düstere Prophezeiung Robinsons zu bewahrheiten. Sämtliche Details, die er vorausgesehen hat, werden nach und nach erfüllt, als Zuschauer verfolgt man gebannt die Kettenreaktion, die unweigerlich zum Tod eines der Protagonisten führen wird, auch wenn man nicht weiß, wie genau dies passieren wird. Der Mystery-Plot wird zudem mit einem Whodunit angereichert, bei dem man sich fragen muss, wer womöglich noch mörderische Absichten verfolgt und finstere Pläne schmiedet.

NIGHT HAS A THOUSAND EYES ist ein sehenswerter, kaum bekannter Klassiker, der leider noch nicht den Weg auf DVD gefunden hat. Wer ihn aber im TV-Nachtprogramm erwischt, kann sich auf 80 Minuten Hochspannung mit Anspruch freuen.

09/10

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