Mittwoch, 28. April 2010

Die Nacht der Abenteuer (1987)

Chris Columbus inszenierte diesen harmlosen, familienfreundlichen Spaß als eine Art Light-Variante von Scorseses "After Hours".

Die reizende Elisabeth Shue spielt darin die Vostädterin Chris, die eigentlich mit ihrem Freund den Abend in einem französischen Restaurant verbringen wollte, stattdessen aber auf ein paar anstrengende Kinder aufpassen muss.
Als ihre skurrile Freundin (Penelope Ann Miller, fast unkenntlich vor ihrem Durchbruch) auf einem Busbahnhof in der Stadt festsitzt, macht sich Chris mit den Kindern auf, sie abzuholen, hat aber unterwegs eine Reifenpanne, die zu einer Serie von nächtlichen Erlebnissen führt, in denen die Gruppe von Autoschiebern gejagt wird, an Hochhaus-Fassaden entlangklettert und Blues singen muss, bevor alle wieder glücklich zu Hause landen.

DIE NACHT DER ABENTEUER kommt zwar nie über das Prädikat "nett" hinaus, bietet aber genug Wendungen und Einfälle, dass man sich als Zuschauer kaum langweilt. Die Charaktere sind sämtlich sympathisch gezeichnet, und Chris Columbus beweist sein Gespür für kindliche Befindlichkeiten und Teenager-Nöte. So ist denn Keith Coogan als Pubertierender heftig in Elisabeth Shue verliebt und versucht sich stets als Mann zu beweisen, während seine kleine Schwester, mit Helm und Hammer ausgestattet, vom Superhelden Thor träumt, der ihr schließlich in einer Autowerkstatt begegnet. Penelope Ann Miller, durch Kostüm und Maske all ihrer Attraktivität beraubt, muss sich derweil auf dem Bahnhof mit Obdachlosen und Waffenbesitzern herumschlagen, verliert ihre Brille und hält eine Ratte für ein süßes Kätzchen.

Alle Teenies im Film erleben die Schrecken der "bösen Großstadt" (in der es aber auch genügend nette Menschen gibt) und sind froh, wenn sie am Ende wieder in ihrem behüteten Vorort landen, wo ihnen nichts passieren kann. Diese Art der Verlogenheit gehört natürlich zum Genre des Familienfilms. Der anarchische, schwarze Humor von "After Hours" ist hier nirgendwo zu finden.

Zu den Highlights gehören ein schmissiger Soundtrack (Shue kleidet sich im Vorspann zu "And Then He Kissed Me" an - eine Sequenz, die umgehend gute Laune macht), der "Babysitter-Blues", den Elisabeth Shue in einem Jazzclub singen muss, sowie eine Begegnung mit zwei Gangs in der U-Bahn ("Don't Fuck with the Babysitter!"). Das Finale auf dem Dach eines Wolkenkratzers ist zwar leicht übertrieben und unglaubwürdig geraten, aber doch so gut inszeniert, dass man den Atem anhält. Mein liebster Einfall ist das Playboy-Magazin, das im Film immer wieder als Running Gag benutzt wird, in dem sich vielleicht oder vielleicht auch nicht Nacktfotos von Shue befinden.

Zu den Schwächen gehört auf jeden Fall Bradley Whitford, der als Shues Freund viel zu alt besetzt ist - Er spielt einen 19-jährigen, war aber bereits 27 und sieht wie 35 aus.

DIE NACHT DER ABENTEUER ist sicher kein großer Wurf, aber wer sich an Kostüme und Beleuchtung (buntes Neonlicht überall) der 80er gern erinnert, wird mit diesem harmlosen Spaß viel Freude haben.

07/10

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