Dienstag, 20. April 2010

Die letzte Nacht des Boris Gruschenko (1975)

Eine meiner absoluten Lieblings-Filmkomödien ist Woody Allens DIE LETZTE NACHT DES BORIS GRUSCHENKO (Love and Death) aus dem Jahr 1975. Der Film war der letzte seiner anarchischen Slapstick-Komödien, bevor er ein Jahr später mit ANNIE HALL (Der Stadtneurotiker) neue Wege einschlug.

Der Inhalt: Russe Boris (Woody Allen) ist einer von drei Brüdern und ein kompletter Versager. Als Sonja (Diane Keaton), die Liebe seines Lebens, einen anderen heiratet, zieht er enttäuscht in den Krieg und wird dort unabsichtlich zum Helden. Um Sonja doch noch für sich zu erobern, plant er mit ihr die Ermordung Napoleons...

Wie der Originaltitel schon sagt, geht es in BORIS GRUSCHENKO um Liebe und Tod, um existentielle und existenzialistische Fragen, um den Sinn des Lebens, Religion ("Wenn Jesus Zimmermann war, was hätte er wohl für ein Bücherregal berechnet?"), das Jenseits, den Sensenmann und die Russen, besser gesagt, wie die Russen in Literatur und Film dargestellt werden, was von Woody Allen furios parodiert wird. Das ist aber noch lange nicht alles. Von Ingmar Bergman über Dostojewski bis Napoleon wird hier alles durch den Kakao gezogen, er bietet Schlachtszenen, Duelle im Morgengrauen, Aufmärsche und opulente Feste, alles, was ein historisches Drama braucht, nimmt aber in keiner Sekunde irgend etwas davon ernst.

Ob Boris Gruschenko in der Oper eine russische Schönheit anbaggert oder bereits als kleiner Junge mit dem Tod lebenswichtige Fragen diskutiert ("Wir sehen uns wieder", sagt der Tod, darauf Boris: "Bemüh' dich nicht"), ob er sich über militärischen Drill bei der Armee lustig macht ("Eins, zwei, eins, zwei", kommandiert der Sergeant, und Boris hilft: "Drei kommt als nächstes, falls Sie Schwierigkeiten haben..."), BORIS GRUSCHENKO reiht Gag an Gag, in Dialog, Bild und Figuren. Was den Film von den früheren Slapstick-Feuerwerken wie "Bananas" unterscheidet, ist die Melancholie, die unter der Komik liegt. Vielen der hier angesprochenen Fragen ist Allen in seinen späteren Werken weiter nachgegangen.

Vordergründig allerdings handelt es sich bei BORIS GRUSCHENKO aber schlicht um einen der witzigsten Filme aller Zeiten, der so viel Tempo, Ideen, Intelligenz und Irrsinn bietet, dass man ihn immer wieder sehen kann.

09/10

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