Dienstag, 20. April 2010

Die letzte Flut (1977)

Der australische Film "Die letzte Flut" von Peter Weir entstand nach seinem großen Kultklassiker "Picknick am Valentinstag", und genau wie dort herrscht auch in diesem Werk eine unheilschwangere, bedrohliche Atmosphäre, werden die meisten aufgeworfenen Fragen nicht beantwortet und erzählt Peter Weir von einer Kultur innerhalb einer Kultur.
Der Inhalt: Als im australischen Syndey ein Aborigine unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, übernimmt der junge Anwalt und Familienvater Chris (Richard Chamberlain) die Verteidigung des unter Mordanklage stehenden Stammesburders des Toten. Während er immer mehr in die geheimnisvolle Welt der Ureinwohner eintaucht, wird er von düsteren Träumen und Visionen heimgesucht, die eine nahende Apokalypse ankündigen...

"Die letzte Flut" ist ein Horrorfilm, der sich an ein aufmerksames und interessiertes Publikum richtet. Man kann den Film nicht einfach "so nebenbei" sehen (man kann zwar, aber dann dürfte er eher enttäuschen). Es ist die Fülle von kleinsten Details, auf Bild - und Tonebene, die den Reiz dieses sperrigen kleinen Meisterwerks ausmacht. Auf äußerst subtile Weise gelingt es Regisseur Weir, eine intensive, unheimliche Spannung aufzubauen, die in einem atemberaubenden Finale mündet, das mittlerweile berühmt für seine Vieldeutigkeit ist. Anders als "Picknick am Valentinstag", der in sommerliches Licht und helle Farben getaucht ist, überwiegen in der "letzten Flut" kräftige Farben und dunkle Bildkompositionen. Der andauernde Regen, der immer mehr in das Leben des jungen Anwalts einbricht, und die mysteriösen Visionen sorgen für eine konstante Bedrohungskulisse. Die Spezialeffekte und der elektronische Soundtrack können auch heute noch überzeugen. Dazu liefert der Film viel Denkmaterial in Form von sozio-politischen Subtexten wie dem Zusammenleben der Aborigines mit der großstädtischen Bevölkerung, bzw. den Einwanderern. Chamberlains Frau (Olivia Hamnett) zum Beispiel lebt in der 4. Generation in Sydney und hat nie einen Ureinwohner gesehen. In der Kultur der Aborigines gilt das Gesetz mehr als der Einzelne, d.h. nicht wie in unserer Gesellschaft werden die Gesetze den Bedürfnissen der Menschen angepasst, sondern der Mensch hat sich den Gesetzen unterzuordnen. Dazu gibt es intelligente, philosophischen Betrachtungen über die Natur von Träumen und Vorahnungen.

Richard Chamberlain in der Hauptrolle spielt mit hervorragendem Understatement, und es ist sehr traurig, dass er schon bald in TV-Schmonzetten sein Talent vergeudet hat. Auch Peter Weir hat mit seinem Gang nach Hollywood (nachdem er in Australien noch das skurrile Psycho-Drama "The Plumber - Wenn der Klempner kommt" gedreht hat, das es leider noch nicht auf DVD gibt) seine künstlerischen Ambitionen weitgehend aufgegeben und zwar einige ansehbare Mainstream-Filme gemacht, von denen aber keiner seinen australischen Meisterwerken künstlerisch oder intellektuell das Wasser reichen kann.

08/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...