Dienstag, 20. April 2010

Die Frucht des Tropenbaumes (1974)

"Die Frucht des Tropenbaumes" aus dem Jahr 1974 ist eine Mischung aus Spionage- und Liebesgeschichte mit deutlichen Anleihen bei der James Bond-Reihe, wobei weder die Agentenstory noch die Liebesgeschichte wirklich überzeugen.

Der Vorspann ist wahrscheinlich das Beste am Film. Zu John Barrys Bond-ähnlicher Musik hat Maurice Binder (verantwortlich für alle klassischen 007-Titelsequenzen) wunderschöne Titel entworfen, die Lust auf den nachfolgenden Film machen. Leider wird man schnell enttäuscht.
Die Regie von Blake Edwards (vor allem berühmt für seine irrwitzigen Slapstick-Komödien wie die "Pink Panther"-Reihe) ist straff, die Settings sind gut ausgewählt (vorrangig Barbados und London). Die Darsteller sind allesamt hervorragend, besonders Fans von Julie Andrews (Ehefrau von Blake Edwards) dürften den Film absolut genießen. Leider glaubt man Andrews und Omar Sharif aber die leidenschaftliche Affäre nicht wirklich, zumal besagte Leidenschaft erst nach ca. 70 Filmminuten beginnt und man schon leicht das Interesse verloren hat.

Überhaupt besteht die erste Filmstunde lediglich aus mehr oder weniger unterhaltsamen Dialogszenen. Keine Spannung, keine Action. Erst danach entwickelt der Thriller seine Spannung mit einigen sehr schönen stummen Sequenzen, in denen John Barrys genialer Soundtrack zum Tragen kommt. Der Film stammt aus einer Zeit (er wirkt übrigens älter als er ist), als Agenten im Film reichlich naiv dargestellt wurden, die meiste Zeit plappern und böse dreinblicken. Zuviel Filmzeit wird mit Spionage-Geschwafel verplempert, das niemanden interessiert. Die von Dan O'Herlihy gespielte Figur wird als schwul charakterisiert und damit als negative Figur abqualifiziert (laut Film muss er sich dafür in Grund und Boden schämen, eine Frechheit). Solche Ausrutscher sind heutzutage gottseidank nicht mehr an der Tagesordnung.

Offenbar war der Film dem damaligen deutschen Verleiher zu langatmig, so wurden mal eben 20 Minuten entfernt. So etwas sollte wirklich verboten werden. Die DVD zeigt nun glücklicherweise beide Versionen, und man stellt fest, dass die Langfassung tatsächlich um Welten besser ist. Nicht nur sind die Schnitte des Verleihers unnötig, sie sind auch dumm, denn es wurden einige sehr wichtige und gute Sequenzen entfernt! Unglaublich.

06/10

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