Dienstag, 20. April 2010

Der Tag der Heuschrecke (1975)

Warum dieser brillante und einzigartige Film nicht längst zum Klassiker geworden ist, bleibt ein Jammer, aber schon bei seiner Erstaufführung stieß er nur auf Unverständnis und wurde weitläufig ignoriert. Ironischerweise geschah dies auch dem Autor der Romanvorlage, Nathanael West, der erst nach seinem Tod als hervorragender Literat gefeiert wurde. "Der Tag der Heuschrecke" ist sein bestes Werk, und John Schlesingers Verfilmung wird dem Roman mehr als gerecht.

"Der Tag der Heuschrecke" gehört zu der Art Filmen, die heute einfach nicht mehr gemacht werden - aus Angst, die Zuschauer zu überfordern, zumal die Hauptcharaktere nicht gerade sympathisch sind. Er erzählt von einem jungen Künstler (William Atherton), der im Hollywood der Depressionszeit als Produktionsdesigner Karriere machen will und sich in das junge, aber erfolglose Starlet Faye Greener (Karen Black) verliebt, die mit ihrem todkranken Vater zusammenlebt.
Dazu gesellen sich noch ein mexikanischer Kampfhahnbesitzer, ein Studio-Cowboy und ein zurückgezogener Buchhalter (Donald Sutherland in einer beängstigenden Rolle). Die Geschichte findet in ihrem verstörenden Finale (eine Massenpanik bei einer Filmpremiere) einen atemberaubenden, unvergesslichen Höhepunkt.

Das Besondere an der Geschichte ist die Tatsache, dass sie nicht wie viele andere Filme über Hollywood das Filmemachen an sich oder die Stars hinter den Kulissen beleuchtet, sondern von den kleinen Leuten erzählt, die jener Hollywood-Maschinerie als Zuschauer und Statist zum Opfer fallen. Immer wieder zeigt Schlesinger Bilder von Passanten, Beobachtern, mittellosen Menschen auf der Straße. Die Absicht von Nathanel West war es darzustellen, dass sich diese Menschen von den falschen Versprechungen und Lügen Hollywoods (und damit Amerikas) so verraten und betrogen fühlen, dass sie schließlich zum Töten bereit sind. Das absurde, brutale und apokalyptische Finale des Films ist die konsequente Weiterentwicklung dieser Idee. John Schlesinger findet gleich in der ersten Szene das perfekte Bild für sein Thema - eine Blume über einem Erdbeben-Riss in der Wand.

Die Darsteller sind ausnahmslos hervorragend, Regie, Kamera und Ausstattung führen den Zuschauer tatsächlich zurück in jene vergangene Epoche der Armut und verzweifelter Hoffnungen auf eine Chance in der Filmindustrie. Eins ist sicher - der Film ist vielleicht schwer zu schlucken und wird mit Sicherheit nicht jedem gefallen, aber er geht nicht mehr aus dem Kopf. Wer es wohlfühlig und glatt mag, sollte einen großen Bogen um den Film machen. Höchstwertung!

10/10

Totentanz in Hollywood

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