Sonntag, 18. April 2010

Das Todeshaus am Fluss (1950)

Fritz Langs bis heute weitgehend unbekannter HOUSE BY THE RIVER (Das Todeshaus am Fluss) ist nicht nur ein Rohdiamant unter den vielen filmischen Juwelen im Oeuvre des Regisseurs, sondern einer seiner schwärzesten Abstiege in menschliche Abgründe.

Louis Hayward - in der Rolle seines Lebens - spielt hier einen erfolglosen Schriftsteller im vorigen Jahrhundert, der mit Frau (Jane Wyatt) und Hausmädchen an besagtem Haus am Fluss lebt. Als die Gattin übers Wochenende verreist, versucht Hayward die Angestellte zu verführen, stranguliert sie aber, als sie sich zu widersetzen versucht. Gemeinsam mit seinem gehbehinderten Bruder John (Lee Bowman), dem er einredet, seine Frau sei schwanger, und ein Skandal müsse deswegen unbedingt vermieden werden, beseitigt er die Leiche im Fluss. Doch bald schon taucht sie wieder auf, und der arme John gerät unter Mordverdacht...

Haywards Figur gehört zu den übelsten, unmoralischsten und abstoßendsten Protagonisten der Filmgeschichte, und Lang zwingt den Zuschauer, sich dennoch mit ihm zu identifizieren. Er ist ein Mörder, Lügner, Feigling und Verräter, er besitzt keine menschliche Eigenschaft, die ihn auch nur annähernd sympathisch machen könnte, dafür aber einen Instinkt, der ihn im richtigen Moment dazu bringt, andere nach seinem Willen zu manipulieren.

HOUSE BY THE RIVER ist schwer einzuordnen. Ein Psycho-Thriller, ein Film Noir, eine makabere Komödie? Langs Bildästhetik kann mit seinen Meisterwerken nicht ganz konkurrieren, man sieht ihm stellenweise die geringen Produktionskosten an. Trotzdem ist die Kameraarbeit bemerkenswert. Der dreckige Fluss, der alles Übel verschlingt und im falschen/richtigen Moment wieder ausspeit, der stummer Zeuge, Komplize und Deus Ex Machina sein kann, wird als Leitmotiv und Metapher brillant benutzt.

Ein düsteres Märchen über Schuld, Verzweiflung und das Böse in uns allen. Für viele gelten nach wie vor Langs Filme vor seiner Emigration als Krone seines Schaffens. Sie übersehen, was für eine große Zahl vielschichtiger Meisterwerke er in den USA inszeniert hat. HOUSE BY THE RIVER ist beinahe eines davon, wenngleich ein nach wie vor unentdecktes.

08/10

Kommentare:

  1. Ich muss gestehen, dass "House by the river" mir einer der liebsten Langs ist, schade nur, dass die DVD wirklich sehr spartanisch ausgestattet ist. Bei den meisten seiner Filme für große Studios musste er sich viel zu viel hereinreden lassen. Lee Bowman finde ich auch leider viel zu unbekannt, mir läuft es immer wieder angenehm den Rücken herunter, wenn er dem "nassen Grab" zu entsteigen scheint. LG, Christine

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  2. "gestehen" klingt ja so, als würdest Du Dich schämen, liebe Christine, ich mag den auch sehr, seit ich ihn in der Jugend (lang ist's her) im TV-Nachtprogramm sah. Sehr schön schaurig und stimmungsvoll, trotz des irgendwie durchsichtigen Plots. LG, Mathias

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  3. Du hast recht, "gestehen" ist das falsche Wort. Ich mag Langs vermeintlich "kleinere" Filme oft lieber, so dass ich "Spione" den "Mabuse"-Filmen, "Man Hunt" dem "Ministerium der Angst" und "Human Desire" dem "Heißen Eisen" vorziehe. Und einer meiner weiteren Lieblinge ist "While the City sleeps" (Die Bestie). Schade, dass die Filme danach nicht mehr so brilli sind. Ich hoffe ja, dass bis 2015 (125. Geburtstag) noch mehr Filme in besseren DVD-Editionen erscheinen. LG, Christine

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