Mittwoch, 14. April 2010

Dark Water (2005)

Schade! Das ist im Grunde das einzige, was man abschließend über DARK WATER sagen kann. Das US-Remake des japanischen Originals bietet hervorragende Darsteller, eine wundervoll düstere und morbide Atmosphäre, einen stimmungsvollen Soundtrack (von David Lynch-Komponist Angelo Badalamenti) - aber leider keinerlei Spannung, auf keiner Ebene!

Worum geht es? Die alleinerziehende Mutter Dahlia (Jennifer Connelly) bezieht mit ihrer Tochter ein heruntergekommenes Apartment in einer üblen Gegend, wo sich merkwürdige Ereignisse häufen. Geräusche aus der leerstehenden Wohnung über ihnen, ein Wasserfleck an der Decke, der immer größer wird, ein Kinder-Rucksack, der auftaucht und wieder verschwindet. Was geht da vor?

DARK WATER fängt behutsam an, baut sich auf, entwickelt sich langsam - und das war's dann! Als Zuschauer bleibt man völlig frustriert zurück, weil die Story weder einen Mittelteil noch einen befriedigenden Abschluss bietet. Sie bleibt reine Exposition, die zu nichts führt. Regisseur Walter Salles ("Die Reisen des jungen Che") legt stattdessen mehr Wert darauf, die Leiden einer geschiedenen, alleinerziehenden Mutter in einer neuen Umgebung zu zeigen, als einen unterhaltsamen Horrorfilm zu erzählen. Das ist ihm hoch anzurechnen, weil er ein wirklich realistisches Ambiente gefunden hat, um dieses Drama zu schildern. Selten hat man in einer Hollywood-Produktion jüngeren Datums derart abgewrackte Bauten und Räume gesehen.

Damit hat Salles aber auch einen Film geschaffen, der niemanden befriedigt und sein Publikum überhaupt nicht erreicht. Frauen, die sich für Jennifer Connellys traumatische Kindheit und Scheidungsprobleme interessieren, würden sich dafür kaum einen Horrorfilm ansehen, und Horror-Fans dürften sich ebensowenig für eben benannte Charaktertiefe erwärmen, wenn nicht wenigstens ein wenig Grusel, Action oder Spannung zu verzeichnen ist.

Ganz besonders problematisch (ACHTUNG: SPOILER!) wird der Film am Ende, wenn sich Connelly für den Geist eines von der eigenen Mutter ermordeten Mädchens opfert und ins Totenreich verschwindet. DARK WATER beschreibt dies als selbstlosen Akt, vergisst aber völlig, dass Connellys eigene Tochter nun ohne Mutter bei einem nicht gerade sympathisch gezeichneten Vater ihr Dasein fristen muss und hin und wieder vom Geist der Mutter besucht wird. Das soll ein befriedigendes Ende sein? Ich denke nicht. Man zählt schon die Stunden, die das arme Kind beim Psychiater verbringen wird, und das ausgerechnet, nachdem der Film lange die traumatische Kindheit von Connelly geschildert hat, die sie jetzt 1:1 ihrer Tochter überhilft. Ach nein...

Das ist doppelt schade, weil Jennifer Connelly wirklich eine Oscar-reife Vorstellung abliefert, sie ist in jeder Minute glaubwürdig und sympathisch, verletzlich und beunruhigt. In Nebenrollen tummeln sich Hochkaräter wie John C. Reilly und Tim Roth. Die Kameraarbeit ist wundervoll. Letztendlich beweist "Dark Water" wieder, dass zuviel Anspruch im Horror-Genre tödlich sein kann.

Das japanische Original - das soll nicht unerwähnt bleiben - funktioniert übrigens auf beiden Ebenen - als Schocker und als Mutter/Tochter-Drama hervorragend. Ich empfehle "Dark Water" für Fans von Jennifer Connelly und... tja, sonst eigentlich niemandem. Schade!


04/10

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