Samstag, 24. April 2010

The Chase - Ein Mann wird gejagt (1966)

THE CHASE - EIN MANN WIRD GEJAGT war ein kolossaler Flop, wurde von Kritikern und Publikum ausgelacht, und alle Beteiligten distanzierten sich von diesem Werk, das für mich in die Kategorie "gut gemeint, vollkommen verunglückt, aber unterhaltsam" fällt. Oder auch "High Noon" trifft "Peyton Place".

Die Geschichte in Kürze: ein entlaufener Sträfling (Robert Redford) will sich in seiner Südstaaten-Heimatstadt verstecken und muss vom aufrechten Sheriff (Marlon Brando) vor einem wütenden Lynch-Mob beschützt werden, der gegen den blinden Hass seiner Mitmenschen aber keine Chance zu haben scheint...

Nach dem Bühnenstück von Horton Foote schrieb die brillante Dramatikerin Lillian Hellman das Drehbuch, geplant war ein "wichtiger, aufrüttelnder Film" gegen Intoleranz, Rassismus und Selbstjustiz. Zwar trägt THE CHASE seine Absichten plakativ vor sich her, was er aber an Stereotypen, Klischees und seifigen Melodramen anbietet, unterminiert jeden ernsten Ansatz. Die im Grunde spannende Geschichte verzettelt sich in unnötigen Subplots, das dargestellte Südstaaten-Kaff ist ein Sammelbecken von hysterischen, sexbesessenen Frauen, alkoholkranken Weichlingen und brutalen Hinterwädlern, allesamt überzeichnete Karikaturen. Keine Figur verhält sich wie ein normaler Mensch, was in Ordnung wäre, würde der Film nicht ständig den moralischen Zeigefinger heben und seine "wichtige Botschaft" schwingen. Die Dialoge sind stellenweise unerträglich mit "Bedeutung" aufgeladen (Redford zum Stier: "Du hast ja noch Hörner...").

Das eigentlich fantastische Darsteller-Ensemble (Jane Fonda, Robert Duvall, Miriam Hopkins, James Fox, Angie Dickinson und viele mehr) agiert sämtlich im Overacting-Modus - mit Ausnahme von Marlon Brando, der konsequent gelangweilt wirkt (was er Berichten zufolge auch war). Ein gelangweilter Brando besitzt gottseidank noch immer so viel Präsenz (und Sex-Appeal), dass sich THE CHASE seinetwegen absolut lohnt. Die "große" Szene des Films, in der Brando verprügelt wird, ist leider nicht nur ungeschickt inszeniert, Brandos übertriebenes Make-Up lässt ihn für den Rest des Films wie eine misslungene Schöpfung Dr. Frankensteins aussehen. Gegen Ende wird auch noch die Ermordung des mutmaßlichen Kennedy-Mörders Lee Harvey Oswald nachgestellt, als wäre der Film noch nicht symbol-überladen genug.

Lillian Hellmann war nach eigener Aussage todunglücklich mit den Änderungen, die ohne ihr Wissen am Buch vorgenommen wurden, sie hat nach THE CHASE nie wieder ein Filmdrehbuch geschrieben. Heute kann man ihn eigentlich nur noch als schlechte Soap-Opera genießen. Wenn man ihn z.B. mit einem großen Werk wie "Wer die Nachtigall stört" vergleicht, der ähnliche Themen und Schauplätze mit künstlerischer Kraft und Anspruch auf die Leinwand bringt, dann hat THE CHASE keine Chance. Den Todesstoß erhält der Film übrigens durch die deutsche Synchronfassung, welche die Dreistigkeit besitzt, alle Mexikaner im Film wie Idioten sprechen zu lassen, à la "Ich schneiden Artikel aus", "Ich sein guter Freund", etc. Bei einem Film, der Rassismus anklagt, bleibt einem da die Spucke weg.

05/10

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