Montag, 26. April 2010

Bunny Lake ist verschwunden (1965)

Otto Preminger, der in jedem Genre zu Hause war, inszenierte mit BUNNY LAKE IS MISSING (Bunny Lake ist verschwunden) einen britischen Psycho-Thriller in bester Hitchcock-Tradition, wie es so schön heißt. Die Geschichte ist bereits deutlich an den Großmeister der Spannung angelehnt - wer erinnert sich nicht gern an die verschwundene Dame aus dem gleichnamigen Klassiker?

Hier verschwindet ein Kind namens Bunny Lake, das von seiner amerikanischen Mutter Carol Lynley in einem Londoner Kindergarten abgegeben wird. Lynley kommt aus den Staaten, um ihren Bruder Keir Dullea zu besuchen, doch als sie die kleine Bunny wieder abholen will, fehlt jede Spur von ihr. Keine der Angestellten will sie gesehen haben, und auch die Polizei, angeführt von Sir Laurence Olivier, kann das Kind nicht ausfindig machen. Stattdessen gerät die Mutter in Verdacht - ist sie womöglich eine Psychopathin, die sich das Kind nur eingebildet hat? ...

Bei der Nacherzählung fällt dem Kinogänger natürlich automatisch der Jodie Foster-Thriller "Flightplan" ein, der eine fast identische Prämisse benutzte, aber in der albernen Auflösung scheiterte. Die Auflösung von BUNNY LAKE ist dagegen ebenso unheimlich wie überraschend - und ohne Hitchcocks "Psycho" nicht denkbar.

Otto Preminger inszeniert das Drama sehr straff und mit gutem Blick für Details. Caroly Lynley überzeugt als verzweifelte Mutter (dass das Kind nur in ihrer Einbildung existiert, glaubt man nicht eine Minute), und der Film schildert ihre Situation so nachvollziehbar, dass man nicht nur darüber nachgrübelt, wie wohl die Auflösung sein könnte, sondern man fühlt mit der verängstigten Muter und sorgt sich um das verschwundene Kind.
Der große Laurence Olivier besticht hier durch Understatement. Tatsächlich ist seine Rolle als zweifelnder Ermittler sehr unspektakulär gestaltet, aber er füllt sie mit Witz und Menschlichkeit aus, ohne seine Kollegen an die Wand zu spielen, und wirkt extrem glaubwürdig.

Zuletzt sollte noch die atmosphärische S/W-Kameraarbeit erwähnt werden. Aus irgendeinem Grund ist BUNNY LAKE nicht so bekannt, wie er sein müsste. Ein sehenswertes Stück Spannungskino ohne die absurden Wendungen eines Jimmy Sangster ("Ein Toter spielt Klavier"), dafür mit sehr viel Lokalkolorit, Realismus und Einfühlungsvermögen.
Ein Geheimtipp!

10/10

Kommentare:

  1. Hallo Mathias,
    das ist auch so ein Film, den ich schmerzlich vermisse - leider keine DVD Veröffentlichung. Ein weiteres Meisterwerk von Preminger.
    Liebe Grüsse
    Ray

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