Sonntag, 18. April 2010

The Box - Du bist das Experiment (2009)

Regisseur Richard Kelly hat sich spätestens mit dem surrealen "Donnie Darko" (2001) einen Namen gemacht. THE BOX ist sein bislang reifster Spielfilm, auch wenn er kaum Anhänger gefunden hat.

Nach einer Kurzgeschichte von Richard Matheson (mit dem Titel "Button, Button") erzählt THE BOX vom Ehepaar James Marsden und Cameron Diaz, die in den 70ern Besuch des unheimlichen Frank Langella erhalten - und wer würde da nicht bereits frösteln, wenn Langella vor der Tür steht? Immerhin war er im Laufe seiner Karriere unter anderem Dracula, Satanist, Kinderschänder und Nixon!

Wie auch immer, er übergibt unserem hübschen jungen Paar eine Box mit rotem Knopf. Wenn sie draufdrücken, erhalten sie eine Million Dollar, und irgendwo stirbt ein Mensch, den sie nicht kennen. Drücken sie den Knopf nicht, bekommen sie hundert Dollar Aufwandsentschädigung.

Was würden Sie tun?

Natürlich drücken Marsden und Diaz den Knopf - immerhin, wenn sie nicht drücken würden, wäre der Film vorbei, das weiß man. Was danach (unweigerlich) geschieht, wozu die Box überhaupt gedacht ist, und um wessen Experiment es sich da handelt, das wird hier nicht verraten. Es tauchen unheimliche Gestalten auf, die seltsame Zeichen geben, ein Swimming Pool beherbergt das Tor zu einem anderen Planeten, ein Todesfall wiederholt sich auf tragische Weise, und unser Pärchen findet sich in seiner eigenen Hölle wieder - so wird Sartres "Geschlossene Gesellschaft" auch gleich mehrfach zitiert.

Die Lösung des Rätsels hat die meisten Zuschauer abgeschreckt (man kann in einschlägigen Foren und Verkaufsplattformen Dutzende von Verrissen lesen), man sollte aber bedenken, dass es sich bei Richard Matheson um einen Autor intelligenter Science Fiction-Geschichten handelt, der u.a. viel für die "Twilight Zone" gearbeitet hat.

So ist denn THE BOX vielleicht auch ein bisschen zu lang für seine Pointe geworden, trotzdem habe ich mich nicht eine Minute gelangweilt. Regisseur Kelly erzählt sehr behutsam (für ein junges Publikum wahrscheinlich viel zu langsam) und baut eine so starke Spannung und Atmosphäre auf, dass die wenigen Schockeffekte maximale Wirkung erzielen und der gesamte Film ein Gefühl des Unbehagens erzeugt.
Gegen Ende übertreibt er für meinen Geschmack den Einsatz von CGI-Effekten über Gebühr. Viele Zuschauer beklagten die fehlende Logik des Films, bzw. verstanden nicht, wie einzelne Handlungsstränge zusammenpassen. Das spricht aber weniger gegen den Film als mehr gegen die herrschenden Sehgewohnheiten, bei denen man stets haarklein erklärt bekommt, was man gerade sieht. Kelly ist kein David Lynch, in THE BOX lassen sich fast alle Ereignisse in einen logischen Kontext zusammenfügen. Es geht um Empathie, Ethik, Konsequenzen, Gewissensentscheidungen und nicht weniger als die Zukunft der Menschheit (Anklänge an "Der Tag, an dem die Erde still stand" sind reichlich vorhanden). THE BOX ist definitiv kein Horrorfilm oder Thriller, vielleicht ist so die Enttäuschung zu erklären.

Die Darsteller ordnen sich ganz der Geschichte unter, lediglich Frank Langella sticht mit seiner Präsenz heraus. Die CGI-Maske, die ihm ein entstelltes Gesicht verpasst, wäre gar nicht nötig gewesen. Diaz und Marsden unterspielen ihre Rollen, und obwohl ich alles andere als ein Fan von Cameron Diaz bin, gibt es an ihrer Leistung hier nichts auszusetzen. Was negativ auffällt, ist die Lebenssituation der Protagonisten, die mit Geldsorgen eingeführt werden, aber in einem verschwenderischen Haus mit durchgestylter 70er-Ästhetik leben. Das wäre auch anders gegangen.

Insgesamt kann ich THE BOX Zuschauern empfehlen, die Freude an experimentellen Sci-Fi-Stoffen mit intellektuellem Kitzel haben. Möglicherweise ist er nicht ganz gelungen, und die Pointe mag manchem zuviel des Guten sein, aber der Weg dorthin ist spannend, atmosphärisch und angenehm unaufgeregt erzählt.

07/10

Kommentare:

  1. Kicher...da haben wir doch den gleichen Film zur fast selben Zeit gesehen und auch ähnliche Eindrücke gehabt. Ich war erstaunt von den vielen miesen Kritiken, die m.E. völlig ungerechtfertigt sind.

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  2. Oh, das tut aber gut, zu hören, lieber Ray, ich habe mich auch extrem gewundert über die Verrisse, ich war vom Film sehr angenehem überrascht. Liebe Grüße!

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