Montag, 19. April 2010

Begegnungen (1994)

Man muss schon sehr dreist sein, um einen wundervollen Film wie Claude Sautests "Die Dinge des Lebens" (sehr empfohlen!) neu zu verfilmen, und was sollte bestenfalls dabei herauskommen? Hoffentlich ein besserer Film als BEGEGNUNGEN aus dem Jahr 1994, der ein unglaublicher Flop an der Kinokasse war.

Die Geschichte war, ist und bleibt vielversprechend: Während er nach einem schweren Autounfall mit dem Tode ringt, ziehen die letzten Jahre des Architekten Vincent (Richard Gere) noch einmal an seinem geistigen Auge vorbei, und er kann sich endlich zwischen seiner kühlen Ehefrau Sally (Sharon Stone) und der temperamentvollen Geliebten Olivia (Lolita Davidovich) entscheiden. Ist es dafür aber bereits zu spät, oder gibt ihm das Leben noch eine Chance? ...

Regisseur Mark Rydell, der sich mit Edel-Schmonzetten wie "Am Goldenen See" einen Namen machte, findet leider keinen künstlerischen Zugang zu der Geschichte und taucht alles in hübsche, aber inhaltsleere Bilder. Man fragt sich, was zur Hölle eigentlich Geres Problem ist - er besitzt alles, was man sich wünschen kann, und welcher Zuschauer, der noch bei Verstand ist, müsste länger als fünf Minuten nachdenken, ob er mit einer göttlichen Sharon Stone nach Hause geht, oder die alkoholisierte und auf nervige Art "unkonventionelle" Davidovich am Straßenrand stehen lässt? Dazu muss man sagen, dass Davidovich sich hier an Romy Schneider im Original messen lassen muss, und dabei kann man nur verlieren.
In Sautets Vorlage ging es um nichts weiter als die Kleinigkeiten des Lebens, welche die großen Entscheidungen beeinflussen, um Loslassen, Verantwortung und die Vergänglichkeit von Leben, Liebe und Glück. Bei Rydell geht es um schöne Menschen in schöner Umgebung mit schönen Problemchen. Das einzig bildliche Symbol für die Vergänglichkeit ist bei ihm - Achtung: eine Designer-Uhr! BEGEGNUNGEN winkt nicht nur mit dem Zaunpfahl, sondern schlägt gleich frontal damit zu. Die Verschiebung der Szenen-Chronologie (die Rückblenden sind zeitlich vertauscht), die bei Sautet meisterhaft war, führt in BEGEGNUNGEN nicht zu mehr Tiefe, sondern mehr Langeweile, weil der Film keinen Höhepunkt hat und 90 Minuten dahinplätschert.

Sharon Stone übrigens sollte ursprünglich die Geliebte spielen, als sie aber las, dass diese bereits in der ersten Filmszene nackt im Bett liegen soll, bestand sie darauf, die unterkühlte, gedemütigte Ehefrau zu spielen. Richard Gere bietet aber auch keinen Grund zur Ekstase und lässt die graumelierten Haare spielen. In einer Nebenrolle schämt sich der großartige Martin Landau, der unglaublich banale Weisheiten von sich geben muss ("Als Architekt und im Leben ist die oberste Regel: Alles unter einem Dach!" - Ächz)
Ich habe prinzipiell nichts gegen Remakes, aber wenn sie mit dieser klasse Besetzung und einer exzellenten Vorlage so öde ausfallen wie hier, dann kann man nur noch sagen: schade. Das Leben ist kurz. Man sollte es nicht mit zu viel schlechten Filmen vergeuden, oder?

04/10

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