Samstag, 17. April 2010

Augen ohne Gesicht (1960)

Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass George Franjus AUGEN OHNE GESICHT (Les Yieux sans Visage) aus dem Jahr 1960 der mit Abstand beste Horrorfilm ist, der jemals in Frankreich produziert wurde und für das gesamte Genre neue Maßstäbe setzte.

Der Inhalt: nachdem die Tochter des plastischen Chirurgen Dr. Génessier (Pierre Brasseur) bei einem Unfall schrecklich entstellt wurde, setzt ihr Vater alles daran, ihr Gesicht wieder herzustellen. Seine ergebene Assistentin (Alida Valli) lockt unter einem Vorwand junge Frauen in das abgelegene Haus, das von Bluthunden bewacht wird, um dem verzweifelten Arzt Material für Gesichts-Transplantationen zu liefern...

AUGEN OHNE GESICHT ist ein grausiges Märchen über Schuld, Wahn und Tod, allein das düstere Ambiente lässt den Zuschauer schon frösteln. Wenn Dr. Génessiers Tochter wie ein Gespenst mit einer weißen, konturlosen Maske durch die Räume des Hauses streift, entstehen Szenen von bizarrer Schönheit und Poesie, während eine Operations-Sequenz in ihrer Drastik auch heute noch schockiert und damals heftige Reaktionen beim unvorbereiteten Publikum verursachte. Es ist jene Verbindung aus klassischem Grusel (das einsame Haus, die Hunde, die Schrecken der Nacht) und modernem Splatter, der Franjus Film so richtungweisend und bedeutsam macht, ebenso wie es Hitchcock seinerzeit mit "Psycho" gelang.

Aus dem hervorragenden Ensemble sticht vor allem Alida Valli heraus, die ihrem Doktor treu ergeben ist und blind vor Liebe ihre kaltherzigen und grausamen Taten vollbringt. Die Musik von Maurice Jarre und die atmosphärische Schwarzweiß-Kamera von Eugen Schüfftan (der bereits in den 20ern für Lang arbeitete) schaffen zusammen mit Franjus konzentrierter Regie (es gibt keine überflüssige Szene oder Einstellung im ganzen Film) ein Meisterwerk, das viele Regisseure beeinflusst und einen verdienten Platz in der Filmgeschichte eingenommen hat.

Die französische Kritik sprang nicht gerade sanft mir Franjus Film um und warf ihm vor, seine Kunst für ein minderwertiges Genre zu verschwenden. Franju erklärte daraufhin, dass er mit seiner Kunst dem "minderwertigen Genre" zu mehr Seriosität verhelfen wollte. Das ist ihm gelungen.

09/10

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