Dienstag, 20. April 2010

Andy Warhols Frankenstein (1973)

Kein Trash-Blog wäre vollständig ohne die Werke aus der Warhol-Factory, die erstaunlicherweise doch einige Qualitäten aufweisen, sich selbst aber wenig ernst nehmen und trotz stellenweise guter Ideen und Production Values reiner Trash sind.

Der Ausdruck "Over the Top" trifft es nicht annähernd, um ANDY WARHOLS FRANKENSTEIN zu beschreiben, der unter der Regie von Paul Morrissey entstand. Quellen geben gelegentlich den Italiener und Second Unit-Regisseur Antonio Margheriti als Regisseur an, doch wurde dies lediglich seinerzeit zur Vermarktung in Italien proklamiert. Auf den entsprechenden DVD-Kommentaren zu "Frankenstein" und "Dracula" weisen alle Beteiligten den Film als Morrisseys aus.

Jetzt ans Eingemachte. Udo Kier spielt (das "Spielt" sollte eigentlich immer in Anführungszeichen stehen) den berühmt-berüchtigten Baron, der aus irgendeinem Grund mit seiner Schwester verheiratet ist (mal nennt er sie Schwester, mal Gattin), die sich aber lieber um den (k)nackigen Hausburschen Joe Dallesandro kümmert - wer würde das nicht? Der Baron erschafft jedenfalls mit seinem zurückgebliebenen Diener Otto, gespielt von Arno Juerging, ein künstliches Pärchen, um eine neue Rasse von Übermenschen zu züchten, doch leider hat das Horror-Paar wenig Lust aufeinander. Bald schon fliegen die Körperteile und Gedärme umher wie Kamelle auf einem Karnevalsumzug... Und das Schöne daran ist, dass die blutigen Brocken stets direkt in die Kamera, bzw. auf den Zuschauer zufliegen, weil der Film in 3D gedreht wurde. 

Praktisch alles an FRANKENSTEIN ist so gewaltig überzogen, dass der Film zur Komödie mutiert. Die Brutalitäten liegen dabei auf Monty Python-Niveau. Der Baron wird aufgespießt, wobei seine Leber auf der Speerspitze stecken bleibt (ein Einfall, der in John Waters' "Serial Mom" wieder aufgegriffen wurde), das "Monster" drückt die Baronin so herzlich, bis sämtliche Knochen brechen, Diener Otto fummelt so lange an dem weiblichen Kunstgeschöpf herum, bis deren Eingeweide herausquellen, und so weiter. Am Ende sind fast alle tot, nur Joe Dallesandro hängt noch gefesselt herum und wird wohl nach dem Abspann von den überlebenden Kindern des Barons für eigene Experimente benutzt... man weiß es nicht genau.

Sämtliche Charaktere in dieser Geschichte sind Sex Maniacs, die lediglich an der Befriedigung ihrer mehr oder weniger perversen Gelüste Interesse zeigen. Baron Frankenstein hört gerne Wagner, während er Leichenteile zusammennäht und unsterbliche Dialoge spricht wie: "To know death, Otto, you must fuck life in the gall bladder"! Sehr lustig übrigens, wenn man weiß, dass Udo Kier sich die ellenlangen Monologe nicht merken konnte und sie sämtlich vom Tisch abliest, während er Arme und Beine zusammenflickt.
Die Darsteller spielen ihre "Rollen" mit ernsten Mienen (abgesehen von Jürging, der gnadenlos chargiert), Udo Kier wähnt sich geradezu in einer klassischen Oper. Ausstattung und Fotografie können sich sehen lassen, und die Musik von Claudio Gizzi verleiht dem absurden Spektakel eine Aura von Seriosität.

Ein Muss für Trash-Fans, ein Muss für Horror-Fans und absolut verzichtbar für alle, die eine treue Adaption der armen Mary Shelley erwarten, die hier einige Male im Grab rotieren dürfte, ebenso wie ihr Kollege Bram Stoker beim Anblick von ANDY WARHOLS DRACULA.

07/10

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