Montag, 26. April 2010

Andy Warhols Bad (1977)

BAD ist tatsächlich der passende Titel für diesen Schmuddelfilm aus der Warhol-Factory, dabei ist er alles andere als schlecht. Doch die Charaktere gehören zu den miesesten, die man jemals im Kino bewundern durfte.

Die Hauptrolle in BAD spielt Carroll Baker, die Jahrzehnte zuvor ihren Durchbruch als "Baby Doll" feierte und nach kurzer Hollywood-Glanzzeit zum europäischen Trashfilm wechselte (sie spielte u.a. in mehreren italienischen Gialli mit). Ganz und gar nicht kindlich-naiv agiert sie aber hier als Hazel Aiken, Besitzerin eines Kosmetikstudios. Neben Pickelaudrücken und Enthaarung aber läuft ein sehr lukratives Nebengeschäft - ihre "Kosmetikerinnen" führen gegen Bezahlung so ziemlich jeden schmutzigen Job - inklusive Mord - aus, den man sich vorstellen kann. Der örtliche Detective ist eingeweiht und lässt sich ebenfalls für sein Wegschauen entlohnen, doch nun muss er dringend jemanden verhaften, und die die Ereignisse überschlagen sich...

Regie bei diesem Festival des schlechten Geschmacks führte Jed Johnson, Cutter von früheren Warhol-Produktionen wie "Dracula" und "Frankenstein". Der hübsche Perry King gibt hier den offensichtlichen Dallesandro-Ersatz als Jüngling, der aus Geldmangel ebenfalls Angestellter des Mörderinstituts wird, aber beim Sex versagt (das wäre Dallesandro nie passiert). Carroll Baker spielt ihre hundsgemeine Abschaum-Chefin mit Hingabe und ist so unsympathisch, dass man ihr die Pest an den Hals wünscht. John Waters wäre begeistert von diesem Ensemble.

Berühmt wurde BAD durch eine Sequenz, in der eine junge Mutter ihr Baby aus dem Fenster eines Wolkenkratzers wirft, nachdem die eigentlich dafür engagierten Damen aus dem Kosmetikstudio sich verspätet haben. Das Baby landet als blutiger Schlamassel auf dem Gehsteig, was eine ungerührte Mutter zu ihrem Spross sagen lässt: "Siehst du, das passiert dir auch, wenn du nicht artig bist!"
Neben diesem "Highlight" gibt es noch abgetrennte Finger, gequälte Hunde, und im Finale wird Frau Baker in ihrem eigenen Abwaschwasser ertränkt. Nicht gerade eine Pilcher-Verfilmung.

Wer Freude an bewussten Geschmacklosigkeiten hat, die mit zynischem Witz und Bissigkeit eine Welt servieren, in der es vor derangierten Persönlichkeiten nur so wimmelt (und in welcher der amerikanische Traum vom Tellerwäscher zum Millionär bis ins Extrem umgekehrt wird), der dürfte seinen Spaß mit BAD haben.

06/10

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