Mittwoch, 3. März 2010

Moonlight Mile (2002)

Es gibt nicht viele gute Filme, die sich mit dem tragischen Verlust eines Familienmitglieds auseinandersetzen, Beispiele für gelungene Umsetzungen wären "In the Bedroom" oder "Das Zimmer meines Sohnes" (beide 2001). Sie sind meist keine großen Kinohits, weil das Publikum nicht gerne über dieses Thema nachdenkt und es als deprimierend empfindet.
Regisseur Brad Silberling wagte 2002 mit "Moonlight Mile" den Versuch, das Thema mit ungewöhnlichem Humor anzugehen. So leiden denn die Eltern Dustin Hoffman und Susan Sarandon unter dem Tod ihrer Tochter, die als Zeugin eines Ehestreits zur falschen Zeit am falschen Ort war und erschossen wurde, aber der Film erzählt ihr Leiden mit skurrilem Humor, den er sowohl aus den absurden Situationen als auch den eigenwilligen Charakteren nimmt. Geschildert wird die Geschichte aus der Sicht des jungen Jake Gyllenhaal, der den Verlobten der toten Tochter spielt. Er dient als Identifikationsfigur für den Zuschauer und trägt ein Geheimnis mit sich, das sich erst später auflöst.
"Monnlight Mile" ist natürlich in erster Linie ein starker Schauspielerfilm. Hoffman und Sarandon agieren gewohnt brillant als trauernde Eltern. Während Hoffman seine ganze Wut und Trauer in den Beruf steckt, bleiben für Sarandon Leben und Alltag stehen. Als Autorin durchlebt sie eine Schreibblockade, sie ist genervt, wenn man ihr Trost spenden will und genervt, wenn man es nicht tut ("So ist es nunmal", sagt sie, und man kann es ihr nachfühlen, "Ich hasse die Leute, die sich um einen kümmern und die Leute, die sich nicht kümmern. Na und?"), sie gängelt ihren Mann ("Nimm' die Schultern zurück!") und freundet sich mit ihrem Quasi-Schwiegersohn an, der sich aber heimlich in die örtliche Postangestellte verliebt, was zu späteren Konflikten führt. Gyllenhaal spielt seine Figur mit konstanter Ausdruckslosigkeit und Unbewegtheit, als würden die Ereignisse an ihm vorbeifliegen, ohne dass er sie auch nur ansatzweise begreift. In einer Nebenrolle ist kurz die wunderbare Holly Hunter als Staatsanwältin zu sehen.

Brad Silberling hält über die meiste Zeit den Film in sehr angenehmem, ruhigem Tempo, steuert aber zielgenau auf den Schlussakt hin, der dann leider enttäuscht, weil er gerade in den Pathos und Kitsch abgleitet, den er zuvor so erfolgreich umgehen konnte. Die darauf folgende (Achtung, SPOILER!) seelische Reinigung aller Beteiligten und das plötzliche Loslassen und Verarbeiten entspricht dann leider ganz dem Hollywood-Klischee und bleibt gänzlich unglaubwürdig. Eine solche Geschichte braucht nicht nur kein zuckersüßes Happy-End, sie darf - zumindest in meinen Augen -keines haben. Trauer und Abschiednahme sind langsame Prozesse und finden nicht über Nacht statt, nur weil jemand einen bewegenden Monolog gehalten hat.

Bis dahin aber ist "Moonlight Mile" extrem sehenswert und bietet wundervolle und originelle Szenen, die man in dieser melancholischen Heiterkeit nicht erwartet.

08/10

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