Samstag, 6. März 2010

Er ist zu jung für dich (2008)

"Der beste Weg, über einen Mann hinwegzukommen ist, sich unter einen anderen zu legen."

"Flirting with 40" gehört zwar streng genommen nicht in einen Kino-Blog, weil es sich bei dieser Roman-Adaption um einen TV-Film handelt, aber da der Film sagt, man soll nicht alles so eng sehen, will ich das auch nicht.

Die Geschichte der frisch geschiedenen Jackie (Heather Locklear), die zum 40. Geburtstag eine Reise nach Hawaii geschenkt bekommt und sich dort in den attraktiven Surflehrer Kyle (Robert Buckley) verliebt, ist eine alt bekannte und kann dem Problem "'Reife Frau trifft jungen Mann" keine wirklich neue Seite abgewinnen. Es darf bezweifelt werden, ob man diesem Thema überhaupt neue Seiten abgewinnen kann. Die Gesellschaft scheint sich zumindest insofern nicht verändert zu haben, als dass bei umgekehrten Geschlechterrollen eine solche Beziehung nach wie vor kaum ein Schulterzucken hervorrufen würde.

So bietet denn "Er ist zu jung für dich" auch sämtliche Klischees, die Filme dieser Art eben anbieten (müssen?) - Jackies Ex-Mann hat natürlich eine jüngere Geliebte und verhält sich ablehnend bis bösartig, die besten Freundinnen machen sich Sorgen, dass die gute Jackie an einen Stalker oder Psychopathen geraten ist, der sie nur ausnehmen will. Es läuft alles ziemlich nach Schema F ab. Sehr enttäuschend ist die Zeichnung des männlichen Hauptparts ausgefallen, der zwar hinreißend aussieht (siehe unten), aber keinerlei charakterliche Defizite aufweist, die zu Konflikten führen könnten. Er ist ein fleischgewordener Frauentraum, und so muss Jackie lediglich alle Welt davon überzeugen, wie wundervoll er ist. Die Streitereien mit Ex-Mann und Freundinnen bleiben auf gemäßigtem Niveau und werden nicht überspitzt, was den Film wiederum glaubwürdiger macht.

Da in Filmromanzen das Paar an einer Stelle entzweit werden muss, um sich wieder zu finden, wendet Mikael Salomon leider das älteste Klischee der Welt an, nämlich das "dumme Missverständnis", in welchem eine andere Frau für eine Geliebte gehalten wird, sich aber (Überraschung!) als vollkommen harmlos entpuppt. Schnarch. Und wirklich peinlich wird "Er ist zu jung für dich" immer wieder, wenn es um die berüchtigten "40" geht. Zwar ist Heather Locklear weit über 40 und sieht trotz Botox-Orgien und aufgespritzten Lippen älter aus, aber die Zahl "40" sorgt so oft für Entsetzen und Diskussionen, dass man die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Ist das die Realität? Geht es für Frauen heutzutage ab 40 steil bergab, müssen sich Frauen ab 40 fragen, ob sie jemals wieder Sex haben? Möglicherweise ist das so (Rückmeldungen zu dem Thema nehme ich gern entgegen), möglicherweise handelt es sich hier aber nur um eine Hollywood-Realität, die den Frauen dieses Entsetzen suggeriert, womit der Film eindeutig nach hinten losginge. Man fragt sich, warum der Film nicht den Mut aufbringt, Locklear als "50" zu deklarieren, was der Wahrheit näher käme, den Konflikt verstärken würde und bei weitem nicht so albern wäre. Aber die 50 ist wahrscheinlich ein so unaussprechlicher Gedanke in Hollywood, dass keine Schauspielerin dies mitmachen würde. Sehr traurig, eigentlich.

Ebenso unfreiwillig komisch ist die Tatsache, dass Heather Locklear sich ständig "Du bist so schön" anhören muss und die besten Freundinnen ihr sagen, sie würde sich trotz Midlife-Crisis nicht die Haare färben oder zum Yoga gehen, dabei schreien ihre Haare nach jahrzehntelanger Färberei förmlich nach einer Kur, und ihre Figur ist (vermutlich) dank täglichen Trainings makellos (was sie in einer fröhlichen Sequenz beweist, in der sie bei Schnee und Minusgraden im Bikini vor die Tür geht) .

Und dennoch - ich habe mich bei "Er ist zu jung für dich" nie gelangweilt. Er wird von Regisseur Mikael Salomon mit Tempo erzählt, wechselt stets zwischen den exotischen Hawaii-Locations und dem winterlichen Seattle, die Dialoge zeigen stellenweise Witz, zwischen Heather Locklear und Co-Star Robert Buckley stimmt die Chemie, und der Film nimmt sich nicht allzu wichtig, das macht ihn sympathisch.
Alles in allem ist dies absolut kein Film, den man gesehen haben muss (ganz besonders, wenn man keine Frau um die 40 ist), aber zur netten Unterhaltung habe ich schon weitaus schlimmere gesehen. Und ja, ich bin mit dem "Denver Clan" und "Melrose Place" aufgewachsen, insofern hat Heather Locklear bei mir einen Sentimentalitäts-Bonus, für den ich mich nicht schäme.

4.5/10

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