Samstag, 6. März 2010

Entity (1981)

Der Horrorfilm "The Entity" erhielt hierzulande den hübschen Untertitel "Es gibt kein Entrinnen vor dem Unsichtbaren, das uns umgibt", der beweist, dass weniger oft mehr ist. "Entity" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Frank deFelitta, der eine angeblich wahre Geschichte erzählt - ein Kunstgriff, den schon bei "Amityville Horror" niemand geglaubt hat. Nichtsdestotrotz haben wir es hier mit einem ausgezeichneten Schocker zu tun, der von Regisseur Sidney J. Furie zwar etwas zu lang, aber äußerst packend in Szene gesetzt wurde, der aber jahrelang im Regal verstaubte, bevor er die Kinos erreichte und dort unterging.

Barbara Hershey ("Hannah und ihre Schwestern") spielt Carla Moran, eine arbeitende, alleinerziehende Mutter, die unvermittelt von einem unsichtbaren Wesen heimgesucht wird, das sie regelmäßig vergewaltigt. Machtlos gegenüber der brutalen Dauerpräsenz sucht sie Hilfe bei Freunden, einem Psychiater (Ron Silver) und schließlich bei Parapsychologen, die dem Phänomen auf die Spur kommen...

"Entity" gelingt es hervorragend, diese hanebüchene und auf den ersten Blick geschmacklose Story mit authentischen Figuren, realistischer Atmosphäre und wohldosierten Schockmomenten eine Glaubwürdigkeit zu verleihen, die man in diesem Genre nicht allzu häufig findet. Hier laufen keine kreischenden Teenager durch Wälder, verfolgt von kettensägenschwingenden Irren, sondern hier geht es um die Ängste einer schutzlosen Frau, deren banaler Alltag zerschmettert wird. Die Szenen der sexuellen Übergriffe sind ungeschönt inszeniert und werden durch den hämmernden Soundtrack von Charles Bernstein in ihrer Intensität verstärkt.

Hersheys Figur Carla weist mehrere Schwächen auf (sie hat wechselnde Affären, Probleme bei der Erziehung und kann sich nicht binden), die sie zur Zielscheibe von sowohl dem "Monster" als auch der Psychiatrie machen. Carla Moran ist das prädestinierte Opfer. Eine Freundin lässt sie und ihre Kinder bei sich übernachten, aber deren Ehemann gefällt es nicht, dass er einen Dauergast in seinem Haus hat und wirft sie wieder hinaus (eine ultimativ realistische Wendung, die ich selten im Kino gesehen habe, wo Freunde immer Freunde sind, egal was passiert). Ein Teilzeit-Lover kann mit der Situation nicht umgehen und lässt sie kurzerhand im Stich. Psychiater Ron Silver verliebt sich in sie, versucht aber dennoch, sie stets zu manipulieren. Anstatt sie ernt zu nehmen, versucht er ihr verdängte Inzest-Sehnsüchte einzureden, die als psychologisches Muster stimmig zu sein scheinen, aber an der Wirklichkeit komplett vorbeigehen.

Hier liegt das Problen von "Entity". Er nimmt sich sehr viel Zeit, in der "nichts" passiert, um seine Charaktere zu etablieren und verschreckt damit sein Horror-Publikum, das auf Effekte aus ist, gleichzeitig spricht er mit seinem Thema kaum ein Publikum für anspruchsvolle Dramen an und sitzt so zwischen allen Stühlen. Im Finale läutet Sidney J. Furie ein hochspannendes Experiment ein, in welchem das "Wesen" in einer Nachbildung von Carlas Haus gefangen werden soll. An dieser Stelle bietet der Film das Effektspektakel, auf das die meisten Zuschauer gewartet haben, aber es kommt für die meisten eben zu spät.

Wer den ungewöhnlichen Horrorfilm schätzt, der zu Tode getrampelte Pfade verlässt, dem kann ich "Entity" sehr ans Herz legen. Er ist lang, aber spannend, schockierend und lässt den Zuschauer am Schicksal seiner Figuren teilhaben. Für mich einer der besten Horrorfilme der 80er und skandalös unterschätzt.

09/10

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