Dienstag, 23. März 2010

Die Hand (1981)

Bevor Oliver Stone seinen Durchbruch als Regisseur anspruchsvoller, politisch engagierter Kinostoffe feierte, inszenierte er diesen kleinen, feinen Horror-Thriller mit einem grandiosen Michael Caine in der Hauptrolle.
Dieser spielt in DIE HAND einen Comiczeichner, der bei einem bizarren Autounfall seine rechte Hand verliert. Während sich Frust und Wut über die beendete Karriere und seine gescheiterte Ehe steigern, entwickelt die abgetrennte Hand ein scheinbares Eigenleben und geht auf Rachefeldzug - oder etwa nicht? ...

Abgetrennte Gliedmaßen waren in der Filmgeschichte häufig Todesboten, vom Klassiker "The Beast with five Fingers" (1946) über "Die Todeskarten des Dr. Schreck" (1965) bis Sam Raimis "Evil Dead 2" (1987). In Oliver Stones Film bleibt über weite Strecken die Frage offen, ob die Hand tatsächlich lebt, ob Michael Caines unkontrollierter Zorn sie steuert, oder ob er selbst voll verantwortlich für die Taten ist.
Michael Caine wertet dabei den bescheidenen B-Film deutlich auf. Als Zuschauer schwankt man stets zwischen Mitleid und Ablehnung gegenüber seiner Figur. Sein Unglück ist nachvollziehbar, gleichzeitig sind seine Wutattacken abstoßend, und gegen Ende wirkt er mehr als nur ein bisschen furchteinflößend.

Oliver Stone hält den Film straff und schnörkellos, gelegentlich lässt er die Spannung ein wenig schleifen, entschädigt aber mit einer sehr schönen Schluss-Sequenz, in der Caine einer Psychiaterin (Viveca Lindfors) gegenübersitzt, welche die Geschehnisse rekapituliert, in bester "Psycho"-Tradition. Und er endet mit einem kräftigen Schock. Ebenfalls positiv erwähnt werden sollte die Musik des jungen James Horner.

Die Szenen, in denen die abgetrennte Hand - von Käfern und Insekten bedeckt - allein durchs Dickicht krabbelt, erinnern unwillkürlich an Lynchs "Blue Velvet", der Jahre später entstand, und der sich hier eindeutig bedient hat. Das Thema der gehandicapten Person, die ihren Zorn auf eine ausführende Kraft projiziert, findet sich auch in Cronenbergs "Die Brut" und Romeros "Affe im Menschen".

Im Gegensatz zu vielen späteren Stone-Werken ist DIE HAND vollkommen unprätentiös und solide Horror-Kost für zwischendurch. Die (neue) FSK-Freigabe ab 12 hingegen bleibt unverständlich, weil allein Caines Unfall zu Beginn durchaus drastisch inszeniert ist und der Film auch wegen seiner Humorfreiheit einen äußerst grimmigen Eindruck hinterlässt.

06/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...