Freitag, 26. März 2010

Das Rätsel des silbernen Halbmonds (1972)

Dieser letzte Beitrag der langjährigen Edgar Wallace-Reihe war erneut eine deutsch-italienische Co-Produktion und gibt im Gegensatz zu den vorigen Filmen nicht einmal mehr vor, in London zu spielen, sondern siedelt seine Handlung gleich in Italien an.

Wie so oft in der bekannten Mischung aus deutschem Krimi und Italo-Giallo ist es ein schwarz behandschuhter Mörder, der sein Unwesen treibt, junge Frauen tötet und am Tatort einen Hinweis auf seine Identität hinterlässt - genau, einen silbernen Halbmond. Uschi Glas steht als nächste auf seiner Liste, doch kann der Anschlag auf sie gerade noch vereitelt werden. Offiziell wird sie nun als tot ausgegeben und hilft der Polizei bei der Suche nach dem unheimlichen Serienkiller...

Wieder einmal ist das Motiv für die Morde in der Vergangenheit zu suchen und klug erfunden - der Mörder rächt sich für den Tod seines Bruders, der bei einem Autounfall ums Leben kam. Das Auto steuerte jemand, dessen Identität der Killer nicht kennt, der aber zur selben Zeit mit besagtem Bruder in einem Urlaubshotel abgestiegen war. Um den richtigen zu erwischen, beschließt der Wahnsinnige einfach, alle umzubringen, die in Frage kommen könnten. Das nennt man effizientes Meucheln!

Hervorragend gelungen sind Regisseur Umberto Lenzi, der in den 80ern mit seinen Kannibalen-Filme bekannt und berüchtigt wurde - die Mordsequenzen, welche in bester Argento-Manier ablaufen. Dazwischen herrscht leider ein wenig Leerlauf. Obwohl die Geschichte eigentlich sehr spannend ist, wird sie relativ zäh erzählt und hängt mehrfach durch.

Uschi
Glas und ihr Film-Verlobter Antonio Sabato geben ein äußerst attraktives Paar ab, das auf der Jagd nach dem Killer in Lebensgefahr gerät. In einer Nebenrolle ist die junge Petra Schürmann zu sehen, und Erotik-Ikone Marisa Mell darf gleich eine Doppelrolle spielen. Sie wird vom Täter mit einer handlichen Bohrmaschine um die Ecke gebracht - es besteht kaum ein Zweifel, dass Brian De Palma den Film gesehen und sich später für seinen "Body Double" daran erinnert hat (er hat sich übrigens auch bei "Dressed to Kill" verschiedener Gialli bedient, was angesichts des ewigen Vorwurfs, er würde stets Hitchcock kopieren, doch amüsant erscheint).

Insgesamt handelt es sich beim "silbernen Halbmond" um einen soliden Thriller, der mit Edgar Wallace außer der Vermarktung nichts mehr zu tun hat, aber auf seine eigene Weise unterhält. Ich mag ihn trotz seiner Schwächen ganz gerne. Die deutsche Fassung ist natürlich gekürzt, der DVD aus der Wallace-Box liegt aber eine englischsprachige Langfassung bei. In den USA ist der Film ungekürzt unter dem klangvollen Titel "Seven Bloodstained Orchids" erschienen.

08/10


Kommentare:

  1. Ich bin überrascht, wie schlecht Lenzi bei Dir wegkommt! Sein "Kriminal" ist absolut solide, und die Gialli, die er mit der wunderbaren Carroll Baker gemacht hat, gehören zu den besten Gialli der 60er, also der vor-Argento-Phase. Besonders "Cosi Dolce, Cosi Perversa" mit Baker, Erika Blanc, Horst Frank und Trintingnant ist Sixties-Italo-Essenz hochkonzentriert. Gaga-Dialoge, Hochglanz-Bilder, tolle Schauspieler, absurdes Drehbuch, fantastischer Ortolani-Score, was will man mehr? Und Lenzis "Orgasmo" (alleine der TITEL!!!) und "Paranoia" (beide mit Carroll Baker) sind ebenfalls zu empfehlen. "Un posto ideale per uccidere" ist nicht ganz so gut, aber kann auch bestens unterhalten. Lenzi ist sicher kein Argento oder Bava, aber das Niveau von Sergio Martino oder Luciano Ercoli erreicht er doch durchaus. "Eyeball" und "Spasmo" gehören ja eher zu seinen schwächsten Filmen.

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  2. Aber so schlecht kommt er doch bei mir gar nicht weg, immerhin gehört sein "Großangriff der Zombies" zu meinen liebsten Splatterfilmen überhaupt! Seine Gialli habe ich nicht alle gesehen, aber bislang hat mir nur 'Spasmo' überhaupt nicht gefallen, und 'Eyeball' verschenkt aus meiner Sicht ganz viel Potential. LG, Mathias

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