Freitag, 26. März 2010

Das Gesicht im Dunkeln (1969)

Der Spät-Wallace "Das Gesicht im Dunkeln" schwankt so sehr zwischen Meisterwerk und absolutem Schund, dass einem schwindlig wird, genau diese Diskrepanz aber macht ihn auch immer wieder sehenswert.

Mit dem gleichnamigen Roman von Edgar Wallace hat der Film nichts mehr gemein, stattdessen lehnt er sich eher an die Hammer-Produktionen aus der Feder von Jimmy Sangster an. Es geht um Erbschleicher, Menschen, die in den Wahnsinn getrieben werden, sowie reichlich Mummenschanz. Der stets verlässliche Klaus Kinki spielt hier erstmals in einer Wallace-Produktion nicht den Fiesling oder Handlanger des Bösen, sondern das weitgehend unschuldige Opfer eines hinterhältigen Mordkomplotts. Kinskis vermögende Frau Margaret Lee kommt bei einem Autounfall (dazu gleich mehr) ums Leben, eine mysteriöse junge Frau (die knackige Christiane Krüger) nistet sich in Kinskis Villa ein, bald schon mehren sich Anzeichen, dass die angeblich verstorbene Gattin noch unter den Lebenden weilt und in einem freizügigen Film die Hauptrolle spielte. Wer betrügt da wen?

Im Gegensatz zu vielen - um nicht zu sagen, den meisten - Wallace-Verfilmungen gibt es im "Gesicht im Dunkeln" keinen maskierten Mörder oder blödelnden Sidekick. Der Thriller - eine italienische Co-Produktion - bleibt tödlich ernst und streut hier und da ein bisschen nackte Haut und psychedelische Sequenzen ein, die wir am europäischen Kino der Spät-60er und 70er so lieben. Der Plot ist tatsächlich geschickt konstruiert und spannend erzählt. Kinski spielt angenehm zurückhaltend, die englischsprachigen Darsteller Margaret Lee und Sydney Chaplin können ebenfalls punkten. Die Musik von Nora Orlandi wird hervorragend eingesetzt.

Leider, leider aber werden diese guten Elemente von Ricardo Freda immer wieder durch extreme Schlampigkeiten in der Inszenierung sabotiert. Da gibt es Anschlussfehler, die nicht einmal Debütanten passieren dürfen - so ist Kinski mal mit, mal ohne Hut in ein- und derselben Sequenz zu sehen. Die Spezialeffekte haben die Bezeichnung nicht verdient. Ganz besonders der Autounfall, mit dem die Geschichte beginnt und endet, ist so stümperhaft umgesetzt, dass man die Spielzeugeisenbahn, die in das Matchbox-Auto donnert, klar als solche erkennen kann. Das geht bei einem Kinofilm, der immerhin mit dem Wallace-Gütesiegel ausgezeichnet ist, überhaupt nicht, und dementsprechend schlecht wurde der Film auch aufgenommen. Mit ein bisschen mehr Liebe zum Detail hätte "Das Gesicht im Dunkeln" einer der besten Wallace-Filme werden können. Atmosphäre, Darsteller und Story sind hochklassig, aber insgesamt sorgen diese Ausfälle und ein paar Längen immer wieder dafür, dass man komplett aussteigt.

Der Film wurde mehrfach in Handlungsszenen beschnitten, die längste und vollständigste Fassung ist in den USA erhältlich, dort ist er unter dem Titel "Liz & Helen" auf DVD erschienen.

07/10

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