Mittwoch, 24. März 2010

Bride Wars - Beste Feindinnen (2009)

Eines der größten Rätsel unserer Zeit besteht in der Tatsache, dass es offenbar immer noch ein Publikum für Hollywood-Hochzeitskomödien gibt, dabei haben wir bereits gefühlte 567 Junggesellenabschiede, Tortenverkostungen und Bräute gesehen, die in ihren Hochzeitskleidern aus der Kirche rennen und dem Mann ihrer Träume nachjagen, während sie einen hupenden Verkehrsstau verursachen.
Dass diese Filme seit Jahrzehnten nichts neues zu erzählen haben und nur immer wieder ein- und dieselbe Story mit mehr oder weniger skurrilen Nebenfiguren variieren, stört offenbar auch niemanden. Das Schlimmste aber sind die versteckten Botschaften, die diese "Komödien" unter das Volk, sprich, junge Frauen bringen, und eine davon wird in BRIDE WARS offen ausgesprochen.

"Vor Ihrer Hochzeit sind Sie tot. Erst danach sind Sie am Leben! Im Moment sind Sie tot!"
Bumms, das hat gesessen. Und das sagt ausgerechnet Hochzeitsplanerin Candice Bergen, die selbst in den 80ern mit ihrer Sitcom "Murphy Brown" eine Vorreiterin in Sachen Selbstständigkeit und eine vorbildliche alleinerziehende Mutter war. Aber die Botschaft kommt sicher an. Was genau an einer Hochzeit für Frauen so erstrebenswert sein soll, ich kann es nicht beantworten, doch der Zufall, bzw. die Filmkonstruktion will es, dass die besten Freundinnen Kate Hudson und Anne Hathaway den schönsten Tag ihres Lebens am selben Tag feiern müssen, weil beide unbedingt im Juni und im Plaza-Hotel heiraten wollen. Das gibt Ärger und führt zum kindischen Kleinkrieg, in dessen Verlauf Hudsons Haartracht sich blau, Hathaways Hautfarbe dagegen braun-orange färbt, peinliche Videos ausgegraben und Männer zu Statisten verdammt werden, bis beide endlich einsehen, dass sie doch die - schluchz - besten Freundinnen sind.

Wer an dieser Stelle sein Popcorn noch im Magen behält, hat wirklich starke Nerven. Nun bin ich möglicherweise (oder mit Sicherheit) nicht das Zielpublikum für ein sogenanntes "Chick Flick", aber wie um alles in der Welt können sich Frauen mit zwei Protagonistinnen identifizieren, für die Ort und Zeit einer Hochzeit wichtiger ist als das Ereignis selbst, die wegen eines lächerlichen Termins aufeinander losgehen und sich lediglich um Aussehen und Konventionen scheren? Hudson und Hathaway sind hier zwei der uninteressantesten, egozentrischsten und oberflächlichsten Tussen (das Wort passt am besten), die ich in den letzten Jahren in diesem untoten Genre zu Gesicht bekam, dicht gefolgt von den Damen aus "Sex and the City - der Film" (und ich mochte die Serie). Sind das Charaktere, mit denen man mitlachen, mitfiebern, mitfühlen soll?

Es gibt genau drei gute Gags in BRIDE WARS. Auf 80 Minuten Spielzeit kann sich jeder selbst ausrechnen, was er für sein Geld bekommt. Diese knappen 80 Minuten sind übrigens der letzte Beweis, dass BRIDE WARS nichts zu erzählen hat. Die Attacken, die die Frauen gegeneinander fahren, sind nicht einmal so schrill und überzogen, dass man Spaß an der Zerstörung bekommt, selbst dazu ist Regisseur Gary Winick nicht in der Lage (und wir erinnern uns alle wohlig an den "Rosenkrieg", der genau den nötigen schwarzen Humor besaß) - was nicht verwundert, denn seine Erfahrungen beschränken sich auf TV-Serien und den schrecklichen "30 über Nacht". Und natürlich müssen beide Frauen auch noch etwas lernen -Hathaway bekommt durch den Kleinkrieg mehr Selbstvertrauen, die anfangs toughe Hudson darf auch mal Gefühle zeigen. Die gefühllose Karrierefrau, die u.a. auch von Sandra Bullock in "Selbst ist die Braut" verkörpert wird, scheint eine aktuelle Horrorvision von Hollywood-Produzenten zu sein, es wimmelt geradezu von Filmen, in denen erfolgreiche Frauen auf das "richtige Maß" zurechtgestutzt werden. Widerlich.

Von den Darstellern kann allenfalls noch Kate Hudson überzeugen, sie besitzt zumindest ein gewisses Maß an komödiantischem Talent. Anne Hathaway tut nichts anderes als lieb zu lächeln, selbst wenn sie böse sein will, und mit den Rehäuglein zu kullern. Für die wenigen männlichen Zuschauer, die sich in BRIDE WARS verirren oder von sadistischen Freundinnen mitgeschleift werden (schlechte Idee, denn nach diesem Film versprürt garantiert kein Mann mehr den Wunsch, jemals vor den Traualtar zu treten), darf Hathaway auf ihrer Junggesellinnenparty wenigstens einen einigermaßen heißen Stangentanz vorführen.

In den 30er und 40er Jahren bestachen die Hollywood-Screwball-Comedys durch enormes Tempo, Dialogwitz und Frauenfiguren, die zumeist stärker und schlagfertiger als die männlichen Gegenparts waren und unabhängige, intelligente Charaktere verkörperten.
Die heutige Romantische Komödie besteht aus unsympathischen Hohlköpfen, deren größte Furcht darin besteht, keinen Kerl abzubekommen und nicht ins Hochzeitskleid zu passen. Wie weit sind wir gekommen!

01/10

Kommentare:

  1. Ich war auch schon nahe dran, die DVD zu kaufen. Finds gut, dass von Dir jetzt auch einige super gut gelungene Verrisse kommen.

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  2. Den hätte ich bei Amazon nicht zu veröffentlichen gewagt. Ich weiß noch, als ich "Frau mit Hund" und das "Schwiegermonster" verrissen habe, was da los war. Aber in so einem Blog ist das ja alles kein Problem. Danke für das Feedback, das ermutigt mich! Liebe Grüße!

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