Montag, 15. Februar 2010

Zwei Freundinnen (1968)

ZWEI FREUNDINNEN (Les Biches) aus dem Jahr 1968 gehört zu den berühmtesten Werken Claude Chabrols und stammt aus seiner kreativen Hochphase der späten 60er/frühen 70er.

Erzählt wird die Geschichte der reichen Frédérique (Stéphane Audran), die ein Verhältnis mit der schönen Künstlerin Why (Jacqueline Sassard) beginnt und sich dann in deren Liebhaber Paul (Jean-Louis Trintignant) verliebt. In ihrer Villa in St. Tropez gerät die Dreieckskonstellation langsam aus den Fugen...

Chabrol geht es dabei weniger um das fröhliche Miteinander oder freizügige Erotik, er hebt auch keinen moralischen Zeigefinger, aber er zeigt zivilisierte Menschen, die durch Extremsituationen zu schrecklichen Taten fähig sind. Eifersucht, Zurückweisung und Liebesentzug haben furchtbare Konsequenzen. Schuld ist wie so oft das Geld. Frédérique meint, sich Menschen kaufen und als Gesellschaft halten zu können, und sie kann es auch. Zwei Künstler und Why bieten nur zu gern ihre Dienste an für finanzielle Absicherung. Sie entwickeln aber aus dieser materiellen Vereinbarung heraus ernsthafte Gefühle, Frédérique nicht. Deshalb muss sie auch dafür büßen. Die Liebesgeschichte wird zum Psychodrama, dann zum Thriller. ZWEI FREUNDINNEN ist ein düsterer, kalter Film, der seine Figuren wie in einer Versuchsanordnung analysiert und das nahende Unheil seelenruhig beobachtet, während auf der reinen Handlungsebene nichts passiert.

ZWEI FREUNDINNEN ist eine Fingerübung in Stil und ein Schauspielerfilm. Chabrol-Ehefrau Audran spielt die Frédérique wie ein gelangweiltes Raubtier, dem dringend Fleisch vorgeworfen werden muss. Nicht umsonst trägt sie schon bei ihrem ersten Auftritt schwarzen Pelz (ohne Spoiler ein Hinweis - achten Sie mal darauf, wer am Ende des Films den Pelz trägt...). Audran erhielt für ihre sensationelle Darstellung den Silbernen Bären völlig zu Recht. Jacqueline Sassard ist die hintergründige Schöne, hinter deren verführerischer Fassade Abgründe lauern. Trintignant hat neben den Damen nicht viel zu tun, er muss lediglich interessant und attraktiv genug sein, um das Dreiecksverhältnis glaubwürdig erscheinen zu lassen, und das schafft er mühelos (immerhin ist er Trintignant).

ZWEI FREUNDINNEN ist deutlich gealtert, was daran liegt, dass Bisexualität und Dreiecksverhältnisse heute kein allzu heißes Eisen mehr sind. Die Ernsthaftigkeit, mit der Chabrol hier jegliche Liebes-Illusionen zerstört, ist hingegen zeitlos.

07/10

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