Mittwoch, 17. Februar 2010

Wolf (1994)

Der ausgebrannte Lektor Will Randall (Jack Nicholson) soll ausgemustert werden. Eine nächtliche Begegnung mit einem Wolf auf einsamer Landstraße und ein Biss sorgen dafür, dass er plötzlich ganz neue, tierische Seiten an sich entdeckt. Und langsam wird aus dem handzahmen Will ein gefährliches, selbstbewusstes Raubtier...

Mike Nichols' WOLF wurde im Erscheinungsjahr 1994 groß angekündigt und dann von vielen als Enttäuschung verbucht, die Zeit aber ist sehr gut mit dem Film umgegangen. Heute wirkt er aufgrund seiner klassischen, unaufgeregten Erzählweise geradezu wohltuend neben dem modernen Action-Kino. Ein Horrorfilm - oder die Rückkehr zu den großen Monsterfilmen à la "Der Wolfsmensch", den viele gern gesehen hätten - ist WOLF definitiv nicht.
Zwar benutzt er die typischen Versatzstücke des Genres, im Grunde erzählt er aber vom unbarmherzigen Kampf in der modernen Arbeitswelt, ein Thema, das Mike Nichols häufig interessiert hat. Zu Beginn des Films ist Nicholson ein gebildeter Langweiler, seine Ehefrau (Kate Nelligan) betrügt ihn mit einem Kollegen (James Spader). Als das "Tier" in ihm hervorbricht, lässt er sich auf einen Machtkampf mit seinem Chef (Christopher Plummer) ein, beleidigt dessen zickige Tochter (Michelle Pfeiffer), pinkelt auf der Herrentoilette auf Spaders Schuhe und rächt sich an der untreuen Gattin. Es ist die Ellbogen-Mentalität, die er lernt, nicht das Töten.

Diese Lesart ist höchst interessant, leider verliert der Film aber nach der Hälfte deutlich an Spannung und Tempo. Mike Nichols fühlt sich irgendwie verpflichtet, den erwarteten Horror doch noch einzubauen und die Allegorie-Ebene zu verlassen, was zu einer langen Reihe von Zeitlupen-Sequenzen führt, die nicht überzeugen können. Auch die Liebesgeschichte zwischen Nicholson und Pfeiffer hängt gelegentlich durch, weil man nicht wirklich versteht, was beide aneinander finden.

An den Darstellern gibt es aber nichts auszusetzen. Nicholson spielt den ersten Teil des Films ungewohnt zurückhaltend und behutsam, nach seiner Verwandlung sehen wir den "alten" Nicholson, der alle Kollegen an die Wand spielt, mit Ausnahme von James Spader, der als schleimiger Rivale herrlich ekelhaft agiert. Kate Nelligan ist die klassische Femme Fatale, Michelle Pfeiffers Rolle ist etwas unausgegoren, wenn sie aber mit glühenden Augen durch die Nacht streift, dann lohnt sich der Film alleine deswegen. Altmeister Ennio Morricone hat einen hypnotischen Score für WOLF komponiert. Die Make-Up-Tricks, die Nicholson als Werwolf zeigen, sind sehr gelungen und sparsam eingesetzt. Insgesamt ist WOLF ein sehenswerter Film, auch wenn er seine Möglichkeiten nicht voll ausschöpft. Um beim Thema zu bleiben - ein bisschen mehr Biss hätte WOLF sehr gut getan.

7/10

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