Mittwoch, 17. Februar 2010

Wilde Unschuld (2007)

WILDE UNSCHULD erzählt die (wahre) Geschichte der Barbara Daly (Julianne Moore), die in den 40ern den Erben eines Plastik-Imperiums (Stephen Dillane) heiratet. Eheliche Gefühlskälte und Barbaras neurotische Bindung an den gemeinsamen Sohn, der von seinem Vater nicht akzeptiert wird und sich in Drogen und wechselnde Partner beiderlei Geschlechts flüchtet, entwickelt sich immer mehr zu einem inzestuösen Verhältnis...

Dieser heiße Stoff hätte ein grelles Erotik-Melodram abgeben können, Regisseur Tom Kalin ("Swoon") entscheidet sich aber für einen unterkühlten und übertrieben artifiziellen Ton, der es schwer macht, sich für den Film zu erwärmen. Julianne Moore gehört zu den Schauspielerinnen, denen ich sogar 90 Minuten beim Vorlesen des Telefonbuchs gern zusehe, doch auch ihre intensive Darstellung kann WILDE UNSCHULD nicht retten, Regie und Drehbuch zeigen nie, was Barbara eigentlich motiviert und antreibt. Stattdessen muss sie ständig Garderobe, Frisuren und die Haarfarbe ändern, wird dabei aber in zwanzig Filmjahren nie älter (Dabei fragt sie ihren Sohn gleich zu Beginn: "Liebst du mich noch, wenn ich alt bin und meine Titten hängen?").

Auch die übrigen Charaktere lassen mehr oder weniger kalt. Man schaut zu, wie diese dekadenten Monster mit perfekten Manieren aufeinander losgehen, aber ein Mitfühlen, Mitleiden findet nicht statt. Im Versuch, mehrere Tabus auf einmal zu brechen, wirkt er relativ verzweifelt (und doch sehr amerikanisch, was man schnell an der verklemmten Darstellung von schwulem Sex erkennt), darüber hinaus bietet er wenig. Schöne Bilder diverser europäischer Schauplätze und originelle Kostüme reichen da nicht wirklich. Die knackigen Körper der attraktiven jungen Männer sind zwar nett anzuschauen, wie so vieles im Film bleibt aber auch dieses Vergnügen eher voyeuristischer Natur (nun, es gibt Schlimmeres).

Die Darsteller sind durchweg sehenswert, so ist der Film im besten Fall noch als Schauspielkino zu empfehlen. Für abseitiges Arthaus-Kino fehlt es WILDE UNSCHULD deutlich an Substanz. Das wirklich Erstaunliche ist, dass eine Geschichte mit so vielen menschlichen Abgründen und wildem Sex aller Beteiligten so langweilig und uninteressant sein kann. Schade, ich wollte ihn mögen. Wer gestörte Mutter/Sohn-Beziehungen meisterhaft umgesetzt sehen möchte, dem kann ich Bertoluccis "La Luna" ans Herz legen, der ist bis heute unerreicht. Unter Bertoluccis Regie hätte WILDE UNSCHULD ein großartiger Film werden können, so ist er einfach nur... hm. Kein totaler Reinfall, aber auch nichts, was man gesehen haben muss.

03/10

Hübsch sind sie ja...

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