Sonntag, 14. Februar 2010

The Wicker Man (1973)

Seinerzeit mehr ignoriert als beachtet, gehört THE WICKER MAN aus dem Jahr 1973 mittlerweile zu den größten Kultfilmen und Sternstunden des britischen Kinos.

Der hervorragende Edward Woodward spielt den Polizisten Howie, der auf die idyllische schottische Insel Summerisle reist, um das Verschwinden eines jungen Mädchens aufzuklären. Dort trifft er auf eine Mauer des Schweigens, sexuelle Verführung und einen bizarren Kult, angeführt von Christopher Lee, der seine ganz eigenen Pläne mit dem nichtsahnenden Howie verfolgt...

THE WICKER MAN ist wohl ohne Frage einer der ungewöhnlichsten, überraschendsten Horrorfilme aller Zeiten. Visuell durchgehend faszinierend, von alptraumhaft-düsterer Atmosphäre und bis in die Nebenrollen brillant gespielt, verbreitet THE WICKER MAN eine fesselnde Stimmung der Angst und Bedrohung. Das Geschehen spielt sich dabei an hellen, sonnigen Sets ab und wird mehrfach von folkloristischen Musiknummern unterbrochen. Beides führt zu maximaler Authentizität. Genau aus diesem Grund übrigens dürfte der Film auch nicht jedermann gefallen.

THE WICKER MAN stellt viele Verabredungen des Genres mit dem Publikum auf den Kopf und bleibt immer unvorhersehbar. Das Drehbuch von Anthony Schaffer ("Frenzy", "Mord mit kleinen Fehlern") stellt Volks-Mythen und modernes Heidentum dem Katholizismus, sowie sexuelle Repression naturverbundener Freizügigkeit gegenüber. Die Insulaner verkörpern eine Art Flower Power-Gesellschaft, Sergeant Howie muss gegen sie nicht nur seinen Glauben verteidigen, er muss auch allen Verführungsversuchen widerstehen. Dabei wird die Frage aufgeworfen, was eigentlich heidnischen Aberglauben von "akzeptierter" Religion unterscheidet und inwieweit sie sich in ihren Ritualen ähneln.

Gleichzeitig steuert THE WICKER MAN unter der inspirierten Regie von Robin Hardy so bitter-ironisch seinem erschreckenden Finale entgegen (ein letzter Akt, den wohl niemand vergisst), dass die anspruchsvollen Subtexte eher beim zweiten Sehen zum Tragen kommen. Die Entstehungsgeschichte des Films ist beinahe ebenso spannend und auf der hier enthaltenen Doku "The Wicker Man Enigma" zu verfolgen. Es ist Christopher Lee zu verdanken, dass THE WICKER MAN überhaupt fertig gestellt werden konnte. Lee sah hier seine Chance, sich von seinem Dracula-Image zu befreien, was ihm in seiner doch überraschend kleinen Rolle gelingt.

In Nebenrollen tummeln sich Genre-Ikonen wie Ingrid Pitt sowie eine nackt tanzende Britt Ekland als personifizierte Versuchung. Das lächerliche US-Remake von 2006, das (natürlich) auf alle religiösen Subtexte verzichtete und somit der Geschichte komplett den Boden entzog, beweist eindringlich die fantastische Qualität des Originals und den Willen aller Beteiligten, hier etwas wirklich Großartiges abzuliefern. Der späte Erfolg gibt ihnen Recht.

09/10

Kommentare:

  1. Hallo Mathias,

    die Kinoversion ist im wahrsten Sinne des Wortes ein KULTFILM, den man in aller Ruhe auf sich einwirken lassen muss. Auch der herrlich folkloristische Soundtrack von Paul Giovanni, der auch auf CD erhältlich ist, sollte nicht unerwähnt bleiben. Den Director's Cut halte ich diesmal für überflüssig.

    Da es offensichtlich keine deutsche Tonfassung von THE WICKER MAN gibt, empfehle ich auf jeden Fall den Kauf der englischen Original-DVDs, da in der deutschen Fassung die erwähnte Nackt-Tanzszene der Britt Ekland mit Weichzeichner bearbeitet wurde. Zu schade drum ! Die schöne Melodie von 'Willow's Song' begegnet uns übrigens in der Amsterdam-Szene von HOSTEL wieder.

    Gruss Ralf

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  2. Ganz Deiner Meinung, den Director's Cut finde ich auch nicht besser als die Kinoversion, die reicht völlig.

    Gruß von Mathias

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