Mittwoch, 17. Februar 2010

What's Up, Tiger Lilly? (1966)

Nach dem großen Erfolg von "Was gibt's Neues, Pussy?", für den Woody Allen das Drehbuch schrieb und selbst mitwirkte, erwarb Allen 1966 für sein Spielfilmdebüt als Regisseur die Rechte an einem japanischen James Bond-Imitat (mit beiden Darstellerinnen aus "James Bond 007 - Man lebt nur zweimal"), arrangierte Szenen um und synchronisierte den gesamten Film als Komödie neu.

Herausgekommen ist ein skurriles Werk, das in der Filmgeschichte seinesgleichen sucht. Sind im japanischen Original Gut und Böse hinter geheimen Mikrofilmen her, jagen sie in Allens Version nun das Rezept für den besten Eiersalat der Welt. Der Oberbösewicht stammt aus einem Land, das es noch gar nicht gibt(er stünde aber auf der Warteliste für ein freies Land, gern zwischen Spanien und Frankreich, weil es da so schön warm sei, wie er erklärt), Woody Allens Dialoge schwanken dabei zwischen intelligenter Persiflage, reinen Anarcho-Gags und fröhlicher Albernheit (etwa wenn der Hauptdarsteller in einer Reihe blutjunger Callgirls seine Mutter erkennt: "Hi, Mom!"). Insgesamt schafft er es aber trotz gelegentlicher Brüller nicht, das Interesse über die gesamte Lauflänge aufrecht zu erhalten, das Spiel mit den Fiktionsebenen hat sich schnell erschöpft.

Woody Allen taucht selbst mehrfach in Zwischenschnitten auf, einmal nur als Schattenspiel, während der Film scheinbar angehalten wird, ein anderes Mal wird er von einem Reporter gefragt, ob er die wirre Handlung kurz erklären könne, woraufhin er mit "Nein" antwortet und der Film fortgesetzt wird. Allen nannte sein eigenes Werk rückblickend "einschläfernd". Die Musik im Film stammt von der Band "The Lovin' Spoonful", mit der Allen nicht einverstanden war, was dazu führte, dass er sich in folgenden Verträgen stets die volle künstlerische Kontrolle zusichern ließ.

So amüsant WHATS UP, TIGER LILY aber auch ist - die deutsche Synchronisation macht alles zunichte, und das ist in diesem Fall wirklich absurd, weil man sich hier (wie Allen, allerdings hatte er die Idee und das Recht dazu) über den Original-Dialog einfach hinwegsetzt und ununterbrochen "flotte Sprüche", Kalauer und flache Gags einfügt. So tauchen plötzlich Namen wie Gotthilf Fischer und Maggie Thatcher aus dem Nichts auf. Warum auch immer ein deutscher Synchronregisseur meint, er könne lustiger als Woody Allen sein, er hat sich gründlich geirrt. Sogar in Szenen (und Szenen-Übergängen), in denen im Original ÜBERHAUPT nicht gesprochen wird, plappert die dumme und unwitzige Synchro munter drauflos. Man möchte heulen. Das Übelste daran ist die Tatsache, dass die deutschen Untertitel auf der DVD nur die deutsche Synchronisation wörtlich wiedergeben, nicht aber Allens Originaldialog übersetzen. Glücklicherweise kann man sich getrost das englische Original anschauen, englische Untertitel sind allerdings nicht vorhanden.

04/10

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