Mittwoch, 17. Februar 2010

Weiblich, ledig, jung sucht... (1992)

Mit WEIBLICH, LEDIG, JUNG, SUCHT... (Single White Female) konnte Regisseur Barbet Schroeder ("Die Affäre der Sunny von B.", 1990) einen Kinoerfolg verzeichnen, weil er neben seiner formalen Qualitäten auch auf einer kurzen Welle von ähnlichen Psycho-Thrillern mitschwamm, in denen es stets um die Verteidigung des häuslichen Friedens gegen eine mörderische Bedrohung von außen ging (siehe auch "Fatale Begierde" oder "Die Hand an der Wiege", 1992).

Der Inhalt: Gerade hat Allison (Bridget Fonda) den untreuen Verlobten (Steven Weber) aus der hübschen Altbauwohnung geschmissen, da findet sie in der zerbrechlich wirkenden Hedra (Jennifer Jason Leigh) die ideale Mitbewohnerin. Bis sie dahinter kommt, dass sich Hedra nicht nur Ohrringe, Schuhe und den Ex-Freund ausborgt, sondern auch noch Allisons Leben und Identität komplett übernehmen will...

WEIBLICH, LEDIG... überzeugt vor allem im exzellenten Spiel von Fonda und Leigh. Die skandalös unterbeschäftigte Fonda darf dabei das Karrieremädchen von nebenan geben, das mit Wucht ins reale Leben gestoßen wird und ums Überleben kämpfen muss, Leigh spielt die verwirrte Neurotikerin, die alles vereinnahmen will und ihren vermeintlichen Besitz bis aufs Blut verteidigt. Ihr Schauspiel-Duell ist der eigentliche Reiz des Films, der ruhig und gemächlich beginnt und mit langsam steigendem Tempo eine beachtliche Spannung entwickelt.

Barbet Schroeder bemüht sich, weitgehend realistisch und glaubwürdig zu bleiben. Ein weiteres Plus ist die hervorragende, düster-atmosphärische Kameraarbeit des Italieners Luciano Tovoli (ein Meister der Ausleuchtung). Auch Howard Shores zurückhaltender Score trägt viel zur Stimmung bei. Einige Klischees, wie der freundliche, schwule Nachbar (Peter Friedman), der nur existiert, um beseitigt zu werden, sowie Fondas ekelhafter Arbeitgeber (Stephen Tobolowsky) schmälern das Vergnügen nicht. Wer in der Jugend mal an jemanden geraten ist, der plötzlich das eigene Aussehen und Outfit kopiert hat, weiß, welche Gänsehaut so ein Verhalten verursachen kann. Mit dieser Urangst vor Identitätsverlust spielt WEIBLICH, LEDIG... sehr gekonnt.

Im Finale allerdings gleitet Schroeders sorgsame Inszenierung plötzlich unvermittelt ins Horror-Genre ab und kann zwar erschrecken, gehört aber eigentlich eher in einen Slasher-Film. Das wäre bei der präzisen Psychologie der Geschichte nicht nötig gewesen und hätte origineller ausfallen dürfen. Insgesamt aber kann man WEIBLICH, LEDIG... gut anschauen. Man braucht nicht allzu starke Nerven und erfährt noch nebenbei (im besten Filmmoment), was man mit einem High Heeel alles für schlimme Dinge anstellen kann...

07/10

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