Samstag, 13. Februar 2010

Was geschah wirklich mit Baby Jane? (1961)

WAS GESCHAH WIRKLICH MIT BABY JANE? aus dem Jahr 1961 war ein Riesenerfolg beim Publikum, hat die stagnierenden Karrieren seiner Stars Bette Davis und Joan Crawford neu belebt und eine ganze Welle von Schockern ins Leben gerufen, in denen die großen alten Hollywood-Damen axtschwingend und mordend auf die Leinwand zurückkehrten.

Die Story: in einer heruntergekommenen Villa in Hollywood leben die beiden vergessenen Stars Baby Jane Hudson (Davis) und ihre Schwester Blanche (Crawford), die seit einem tragischen Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist. Baby Jane, einst gefeierter Kinderstar, plant verzweifelt ein Comeback, und je mehr sie sich in ihre Scheinwelt flüchtet, desto mehr muss die verhasste Schwester Blanche darunter leiden...

Robert Aldrichs Genialität wurde lange nicht anerkannt, sogar BABY JANE wurde beim Start von Kritikern in der Luft zerrissen, doch hat das dem Erfolg keinen Abbruch getan. Aldrich spielt mit verschiedenen Motiven, von "Sunset Boulevard" bis zu Hitchcocks "Psycho" (ohne den BABY JANE undenkbar wäre) und serviert deftige Schocks wie etwa eine tote Ratte als Hauptgang für die kranke Blanche. Die im Grunde völlig unglaubwürdige, melodramatische Geschichte wird durch konstante Wendungen und Überraschungen auf Hochspannung gehalten, Logiklöcher werden einfach ignoriert (warum ruft Blanche nie um Hilfe?), beinahe sämtliche Charaktere sind grotesk überzeichnet, und dazu entwirft Aldrich ein deprimierendes Bild von Hollywood, von verzweifelten Menschen in einer hässlichen, abgewrackten Traumwelt.

Letztlich gehört der Film aber Bette Davis, die mit einer geradezu atemberaubenden Vorstellung den Wahnsinn ihrer Figur und die Tragik des gescheiterten Kinderstars zum Ausdruck bringt. Sie wirft sich mit Haut und Haar in ihre Rolle, ihre Gestik, Stimme, ihr Mut zu totaler Hässlichkeit (angeblich hat Davis ihr furchterregendes Make Up selbst entworfen) sind bewundernswert und haben ihr eine verdiente Oscar-Nominierung eingebracht. Ihre Darstellung ist so herrlich übertrieben, dass sie bis heute gerne parodiert wird.

Der besondere Reiz des Films liegt natürlich im Aufeinandertreffen von Davis und Crawford, die zeitlebens Konkurrentinnen waren. Crawford, die in so vielen Filmen die leidende Liebende spielte, hatte nie mehr zu leiden als unter Davis' psychischer und physischer Folter in BABY JANE.

10/10

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