Dienstag, 16. Februar 2010

Warum läuft Herr R. Amok? (1970)

WARUM LÄUFT HERR R. AMOK? gehört zu den weniger bekannten Filmen Rainer Werner Fassbinders und unterscheidet sich stilistisch und inszenatorisch grundlegend von seinen übrigen Werken.

Die Kamera filmt Herrn R.'s tristes Leben mittelständischer Biederkeit mit dokumentarischem Blick, langen Takes und Improvisation der Darsteller. Ohne Melodram, ohne Dramaturgie, ohne "Handlung" im herkömmlichen Sinne. Wir sehen nur Szenen aus dem Alltag, Menschen, die sich nichts zu sagen haben und trotzdem unentwegt reden, Kontakte als Verpflichtungen, denen man nachgehen "muss", Arbeitskollegen, die fröhlich sein wollen und doch nur armselig sind, einen Protagonisten ohne Ziel, Hoffnung oder Illusionen, der an der Banalität des Lebens zu Grunde geht.

Kurt Raab spielt diesen Herrn grandios bemitleidenswert. Fassbinders Film wirkt extrem realistisch und ist deshalb so beängstigend. Wer am Ende nicht versteht, warum Herr R. Amok läuft, gehört zweifellos zu den glücklicheren Menschen.

"Herr R." ist nicht unbedingt geeignet für einen netten Video-Abend mit Freunden, aber ein schonungslos ehrlicher, unter die Haut gehender Film - wenn man das Sujet ertragen kann.

09/10

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