Mittwoch, 17. Februar 2010

Walkabout (1971)

Der Brite Nicolas Roeg begann als Kameramann für Kinokünstler wie Truffaut und Schlesinger, bevor er ins Regiefach wechselte und viele sehr bizarre, visuell eigene Werke schuf, darunter seinen wohl berühmtesten "Wenn die Gondeln Trauer tragen".

WALKABOUT aus dem Jahr 1971 ist sein erster eigener Spielfilm (den kurz zuvor entstandenen "Performance" hat er gemeinsam mit Donald Cammell inszeniert), und bereits hier benutzt er die für ihn typischen Verfremdungseffekte, Schnittwechsel und assoziativen Bilder. "Walkabout" bedeutet "kleiner Spaziergang". Dieser kleine Spaziergang findet für drei Menschen in der Wildnis des australischen Outbacks statt. Ein kleiner Junge, seine pubertierende Schwester sowie ein Aborigine treffen hier aufeinander. Die Kinder haben ihren Vater verloren, der Aborigine muss wie alle Stammesgenossen einem Ritual folgen und in der Natur seine Überlebenskraft beweisen, ein Mann werden. Die Zivilisationskinder, die nie einen Namen bekommen, und ihr neuer Freund sprechen verschiedene Sprachen, aber das Überleben zwingt sie zusammen. Sie erleben die Schönheit und Brutalität der Natur, sie töten, um zu essen, sie entdecken eine fremde Welt, eine fremde Kultur und sich selbst.

Nicolas Roeg taucht diese kleine Geschichte in unvergessliche Bilder und Sequenzen. Der Gegensatz von Zivilisation und Urgewalt der Natur hat Roeg immer fasziniert, das teilt er mit seinem australischen Kollegen Peter Weir, an dessen Filme "Die letzte Flut" und "Picknick am Valentinstag" WALKABOUT erinnert. Zu Beginn des Films sehen wir die seltsamen Errungenschaften der menschlichen Zivilisation - Obst und Gemüse in Dosen, Uniformen für die Kinder, ein Swimming Pool direkt am Meer. Das Ursprüngliche ist so nah und den Menschen doch so fern geworden. Der Vater der Kinder sieht keinen Sinn mehr in seiner Existenz und erschießt sich. Wie Hänsel und Gretel sind die Kinder nun allein gelassen, aber die Einsamkeit bedeutet auch Freiheit und Neubeginn. Die Zeit im Outback wird Spuren hinterlassen, so wie der Film selbst auch unvergesslich bleibt.

WALKABOUT ist eine andere Art von Filmerlebnis, schlecht geeignet für oberflächlichen Konsum, man muss sich einlassen und eintauchen in diesen Spaziergang. Trotz einiger weniger Längen gegen Ende bleibt er ein spezielles Erlebnis.
Die DVD zeigt WALKABOUT in guter Bildqualität, wenn man sein Alter bedenkt, leider ist der Ton in Deutsch und Englisch zu stark verrauscht, was besonders schade ist, weil John Barrys wunderschöne Filmmusik das Abenteuer Erwachsenwerden um eine epische und romantische Dimension bereichert.

06/10

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