Mittwoch, 17. Februar 2010

Volver (2006)

Man darf immer wieder gespannt sein, was der spanische Meister-Regisseur Almodovar sich als Nächstes ausdenkt. War sein letzter Streich "La Mala Educacion" (2004) noch ein tiefschwarzes Psychodrama mit Film Noir-Elementen, präsentiert er mit "Volver" einen federleichten, bunten und sinnlichen Reigen mit einer geradezu wundervollen Penelope Cruz in der Hauptrolle.

Cruz, die schon in Almodovars "Alles über meine Mutter" und "Live Flesh" (1997) kleinere Rollen übernahm, spielt eine Frau aus dem Arbeiterviertel, die ohne Wissen des Besitzers ein stillgelegtes Restaurant eröffnet, während ihre Schwester überraschenden Besuch erhält - und zwar von der tot geglaubten Mutter der beiden.

Besagte Mutter wird gespielt von Carmen Maura, und für einen Besuch aus der Vergangenheit hätte es in einem Almodovar-Film keine schönere Besetzung geben können als eben jene Hauptdarstellerin seiner frühen Erfolge "Das Gesetz der Begierde" (1987) und "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" (1988). Nach letzterem Film trennten sich die Wege der beiden (laut Almodovar) wegen persönlicher Differenzen. Nun ist sie zurückgekehrt, als Schauspielerin und als Filmcharakter. Deutlich älter, weiser, ruhiger und ein bisschen geisterhaft. Sie ist ein wichtiger Teil in diesem Ensemble der starken Frauen (Männer sind hier lediglich Beiwerk, ähnlich wie in "Alles über meine Mutter", 1999), das niemand besser inszenieren kann als Almodovar.

Hat man als Zuschauer anfangs ein wenig Mühe, den vielen Geschichtsfäden und Backstories zu folgen, entwickelt "Volver" schnell einen Sog, der nicht mehr loslässt. Am Ende ist man be- und gerührt, hat viel gelacht, ein wenig geweint, viel erfahren und nimmt im besten Fall die positive Stimmung des Films mit in seinen Alltag. Man stellt erstaunt fest, wie gut man sich gerade bei einem Film unterhalten hat, dessen Themen (unter anderem) Krebs, Mord, Tod und Inzest sind, aber eben auch Freundschaft, Solidarität unter Frauen sowie die ganz spezielle Liebe zwischen Mutter und Tochter. Eine klassische "Liebesgeschichte" gibt es im Film nicht, so entzückend Penelope Cruz auch aussieht. Ein Mord findet statt, spielt aber keine größere Rolle. Ein "Geist" erscheint, und niemand wundert sich.

Wie das alles zusammengeht, das weiß nur Almodovar. Er ist für mich momentan der einzige Regisseur weltweit, der sein eigenes Genre immer wieder neu erfindet, den man nie kopieren kann, mit einer unglaublichen Fähigkeit, eine Geschichte so zu erzählen, wie nur er es kann. Es grenzt geradezu an ein Wunder, dass er in einer so von finanziellem Erfolg abhängigen Filmlandschaft seit Jahren ein persönliches Meisterwerk nach dem anderen abliefert. Verschleißerscheinungen sind gottseidank nicht erkennbar. Dafür darf man als Cineast dem Spanier unendlich dankbar sein - und gespannt auf sein nächstes Werk.

08/10

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