Mittwoch, 17. Februar 2010

Verraten (1988)

Mit VERRATEN (Betrayed) konnte Regisseur Costa-Gavras 1988 zwar nicht ganz an seine großen Meisterwerke "Z" oder "Vermißt" anknüpfen, dennoch ist ihm ein packender Polit-Thriller gelungen, der stellenweise sehr unter die Haut geht. Debra Winger zeigt hier eine ihrer besten Leistungen als FBI-Agentin, die undercover als Landarbeiterin im Mittleren Westen gegen eine radikale Vereinigung von Rassisten ermittelt und sich dabei in den attraktiven Farmer Tom Berenger verliebt, der eine Schlüsselposition in jener Terrorgruppe besetzt. Bald schon muss sie sich zwischen Loyalität, Liebe und Moral entscheiden...

Genau hier liegt leider die Schwäche von VERRATEN, denn Costa-Gavras Film hadert ein wenig mit der Glaubwürdigkeit seiner Geschichte. Tom Berenger ist als rechter Vertreter eines "reinen Amerikas" sehr klug gegen den Typ besetzt und wirkt immer wieder sympathisch, ist eben nicht das Monster, das man vermuten würde. Doch man kann schwer nachvollziehen, dass sich die intelligente Winger nach so kurzer Zeit derart heftig in einen Mann verliebt, der für alles steht, was ihr zuwider ist, und dass sie schwer damit zu kämpfen hat, ihn den Behörden auszuliefern. Das Drehbuch von Joe Eszterhas, der bereits für Costa-Gavras Film "Music Box" die Vorlage lieferte und später mit Erotik-Thrillern à la "Basic Instinct" sowohl seinen großen Durchbruch als auch baldigen Abstieg erleben sollte, verlagert die politischen und gesellschaftlichen Aspekte der Story leider im letzten Drittel zu sehr auf die Liebesgeschichte und die endgültige Konfrontation zwischen Winger und Berenger. Auch ein angehängter Epilog kann nicht so recht überzeugen.

In der ersten Hälfte aber besticht VERRATEN durch präzise Charakterzeichnungen und die Darstellung des ganz alltäglichen amerikanischen Rassenhasses. Neben Winger gibt es keine Sympathiefiguren, ihre FBI-Vorgesetzten verhalten sich ebenso skrupellos und verachtend wie die Menschen, die sie überführen wollen. Costa-Gavras findet erschreckende Beispiele für die Art, wie die rechte Ideologie an Kinder weitergeben wird, und wie ein Besuch im Camp des Ku-Klux-Klans zum zynischen Sonntagsausflug wird. In der mit Abstand besten Sequenz muss Debra Winger nachts mit Tom Berenger einen "Ausflug" mit unbekanntem Ziel unternehmen und fährt schon bald an brennenden Kreuzen entlang, wo sich der Terrorkreis in den Wäldern versammelt, um eine Menschenjagd zu veranstalten - auf einen jungen Schwarzen. Diese Szene ist fast unerträglich und geht nie aus dem Gedächtnis, auch Wingers Reaktion darauf (man sieht ihr die Erfahrung noch in späteren Szenen an, diese Nacht verändert sie vollkommen) ist atemberaubend.

Insgesamt ist VERRATEN auf jeden Fall lohnendes Kino mit einem brisanten Thema. Die leichten Schwächen kann man zwar verschmerzen, sie halten mich aber doch davon ab, dem Film die Höchstwertung zu geben, obwohl er sehr viel anspruchsvoller und gewagter ist als das übliche Mainstream-Kino. Herausragende Polit-Thriller wie Costa-Gavras' frühere Werke wird es leider nicht mehr geben, sie sind Vertreter des 70er-Jahre-Kinos.

08/10

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