Mittwoch, 17. Februar 2010

Unter dem Sand (2000)

Der französische Regisseur Francois Ozon hat schon mehrfach seine Verehrung für die großen Damen des europäischen Kinos in fantastische Filme verwandelt ("8 Frauen"), hier inszeniert er eine ganz kleine, leise Geschichte von psychologischer Tiefe, die gleichzeitig eine Hommage und Liebeserklärung an die wundervolle Charlotte Rampling ist, mit der Ozon später noch "Swimming Pool" realisierte.

"Unter dem Sand" erzählt die tragische und beängstigende Geschichte einer Frau, deren Ehemann im Urlaub spurlos verschwindet, während sie am Strand liegt. Ihre Weigerung, seinen möglichen Tod zu akzeptieren, führt dazu, dass sie ihn für sich in der Realität weiterleben lässt - sie spricht mit ihm, kocht weiterhin für Zwei, reagiert nicht auf Nachrichten der Polizei, entzieht sich sogar der Identifizierung einer gefundenen Leiche, bei der es sich möglicherweise um ihren Mann handeln könnte.

Ozon zeigt diese krankhafte Verdrängung in kleinen Episoden aus dem Alltag, und damit macht er immer wieder klar, welche Bedeutung der Lebenspartner für die Protagonistin (und für uns als Identifikationsziel) hat, ob es um Geld, Essen, Kennenlernen, Einkaufen oder Sex geht.
Charlotte Rampling spielt diese "One Woman-Show" grandios, gleichzeitig stark gegenüber anderen und zutiefst verletzlich für sich allein in ihrer dunklen Einsamkeit, die sie immer wieder spürt. Die Dialoge sind alltäglich, fast banal, es gibt keine künstlerischen Überhöhungen, und doch lässt einen das Schicksal dieser Frau nicht los. Wenn das Paar zu Beginn des Films im Ferienhaus sitzt und isst, sprechen die beiden kaum miteinander und wenn, dann nur über oberflächliche Dinge - gerade das macht den Verlust später so schmerzlich spürbar - was hätte sie nicht alles noch zu ihm sagen können, hätte sie nur gewusst, was passiert? Letzten Endes ist es auch Ozons Aussage, dass wir uns niemals einer Sache sicher sein sollten, dass wir nichts im Leben als selbstverständlich hinnehmen dürfen (schon gar nicht den Menschen an unserer Seite), denn niemand weiß, was unter dem Sand wartet...

"Unter dem Sand" ist wundervolles Kino der leisen Töne, die Art von Film, die hierzulande niemals gemacht würde, und für die wir Frankreich dankbar sein können.

09/10

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