Sonntag, 14. Februar 2010

Über den Dächern von Nizza (1955)

"Sie wissen so gut wie ich, dass es sich um eine Fälschung handelt", bemerkt Cary Grant kühl zu Grace Kelly, die mit ihrem funkelnden Collier lockt. "Aber ich bin keine", erwidert sie. Schon ist es um ihn geschehen. Dann kommt der Kuss, und über den Dächern von Nizza erstrahlt ein prächtiges Feuerwerk. So ist auch Alfred Hitchcocks ÜBER DEN DÄCHERN VON NIZZA (To Catch A Thief) aus dem Jahr 1955 das reinste Feuerwerk an Spannung, Humor und Romantik.

Die Story: An der französischen Riviera beraubt ein Fassadenkletterer reiche Damen, Verdächtiger Nummer eins ist der Ex-Dieb Cary Grant. Die gelangweilte amerikanische Touristin Grace Kelly ist überzeugt, dass er der gesuchte Kriminelle ist. Schon muss er seine Unschuld beweisen, dem wahren Täter eine Falle stellen und die wilde Grace zähmen, die doch nichts lieber hätte als einen sündigen Ehemann...

In Nebenrollen dieses Klassikers brillieren Jessie Royce Landis (Cary Grants Mutter in "Der unsichtbare Dritte"), die gern Zigaretten in Spiegeleiern ausdrückt, und John Williams als steifer Versicherungsagent. Unvergesslich der Moment, wenn sich Grant und Kelly das erste Mal begegnen und er sie höflich zu ihrer Zimmertür begleitet, wo die kühle Schönheit plötzlich jede gute Erziehung aufgibt und ihn sinnlich küsst, bevor sie mit passendem Augenaufschlag verschwindet.

Hier stimmt einfach alles. Hitchcock inszeniert die Krimikomödie leicht und beschwingt europäisch, hat für jede Szene gleich mehrere Einfälle, und dazu lauern unter der Oberfläche auch noch düstere Abgründe, die ein mehrfaches Sehen zum absoluten Vergnügen machen. So ist Grace Kellys Lust auf einen kriminellen Liebhaber durchaus neurotisch angelegt. Natürlich kann sich der Film nicht mit den großen, komplexen Hitchcock-Werken wie "Vertigo" messen, aber das will er auch nicht, und dabei sollte man es auch belassen.

ÜBER DEN DÄCHERN VON NIZZA bietet charmant-erotische Dialoge und Wortspiele, hinreißende sonnige Schauplätze an der Côte D'Azur, wundervolle Kostüme (das Kostümball-Finale ist in jeder Hinsicht ein Fest fürs Auge) und das Hitchcock-Traumpaar schlechthin in faszinierenden Rollen, plus eine der witzigsten Schluss-Pointen aller Zeiten.

Was um alles in der Welt kann man mehr von einem Film verlangen? Eben.

10/10

1 Kommentar:

  1. Hallo Ralf,

    den habe ich nie gesehen, dabei war ich in meiner Jugend doch so ein großer Peter Alexander-Fan! Jaja, die Jugend...

    ansonsten aber kein Widerspruch. Die Story mag heute sicher etwas angestaubt sein, die Bilder und alles andere sind es nicht. Toller Film!

    Gruß von Mathias

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