Dienstag, 16. Februar 2010

Tyrannische Liebe (1955)

Neben Hitchcocks "Der Mann, der zuviel wusste" zeigt "Tyrannische Liebe" die schauspielerische Klasse von Doris Day, die hier eine Figur spielen darf, die ihren üblichen Leinwandcharakteren (fast) völlig unähnlich ist.

"Tyrannische Liebe" ist ein packendes Drama mit glänzend inszenierten Musiknummern, das den Werdegang der Nachtclubsängerin Ruth Etting erzählt, die von ihrem Mafia-Geliebten (James Cagney) gefördert, zur Ehe erpresst wird und immer mehr dem Alkohol zuspricht, bis es sogar zu einem Mordversuch kommt.

James Cagney spielt den hoffnungslos verliebten und von Sehnsucht zerfressenen Kleingangster derart überzeugend und gewaltig (quasi eine Synthese all seiner frühen Gangsterfiguren), dass er den ganzen Film an sich reißt. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass Doris Day ihm absolut ebenbürtig ist und sich keinesfalls an die Wand spielen lässt. Ihre Musiknummern stehen - anders als in vielen anderen Filmen der Schauspielerin (auch hier ist Hitchcock die Ausnahme) - nicht neben der Handlung, sondern passen dramaturgisch perfekt zum Handlungsablauf, sowohl was die Texte als auch Doris Days Darbietung betrifft.

Der einzig unverzeihliche Fehler passiert Regisseur Charles Vidor im Finale, wenn Doris Day den wundervollen Titelsong "Love Me Or Leave Me" singt und sie weit im Hintergrund bleibt, während die Kamera sich ganz auf Cagney konzentriert. Eine Großaufnahme wäre hier Pflicht gewesen, zumal der düstere Song den Inhalt des Films reflektiert. Glücklicherweise aber gibt es diese Großaufnahme im Trailer zu sehen!

08/10

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