Mittwoch, 17. Februar 2010

Tote tragen keine Karos (1982)

Ein Detektiv mit dunkler Vergangenheit, der beim Wort "Cleaning Woman" ausrastet, eine schöne Klientin, deren Brüste nach Ohnmachtsanfällen arrangiert werden müssen, sowie ein Oberbösewicht, der die Welt mit einer teuflischen Käsemaschine zerstören will, das sind nur einige der Zutaten einer der witzigsten, originellsten, kultigsten und filmtechnisch brillantesten Filmkomödien aller Zeiten.

TOTE TRAGEN KEINE KAROS aus dem Jahr 1982 setzt seine im Grunde sehr einfache Idee, Darsteller Steve Martin durch Filmausschnitte mit klassischen Hollywoodstars der Schwarzen Serie interagieren zu lassen, genial um. Er spielt den typisch heruntergekommenen, aber obercoolen Privatdetektiv, der von einer mysteriösen, aber äußerst attraktiven Klientin (Rachel Ward als betörende Femme Fatale) beauftragt wird, den Mörder ihres Vaters zu finden. Bei seinen Recherchen trifft er nun auf sämtliche Film Noir-Stars, die in unzähligen Filmausschnitten in die Handlung integriert werden. Cary Grant, Ingrid Bergman, Veronica Lake, Ava Gardner, Burt Lancaster und Vincent Price sind nur einige der Namen, die sich hier ein fröhliches Stelldichein geben.

Dabei wird Steve Martin nicht etwa technisch in die alten Szenen eingefügt (mit einer Ausnahme), sondern Regisseur Carl Reiner und seine Crew erschaffen genaue Kopien der Filmsets und Kostüme, so dass die Zwischenschnitte der Originalszenen mit den neuen Szenen korrespondieren. Das Drehbuch ist dabei so einfallsreich, dass alle Dialoge und Handlungen der beiden Spielebenen zusammenpassen und die Filmhandlung trotz der vielen Puzzleteile einen (zugegebenermaßen absurden) Sinn ergibt!

Deshalb kann man TOTE TRAGEN KEINE KAROS auch am besten (obwohl er auf der DVD synchronisiert vorliegt) in der OmU-Fassung genießen, denn hier kommt die ganze Genialität der Komödie zum Tragen. So wird Steve Martin von Lana Turner verführt, streitet sich mit Bette Davis herum, besucht James Cagney im Gefängnis und lässt sich als Blondine verkleidet von Fred MacMurray im Gemischtwarenladen aufreißen. Filmkomponist Miklos Rosza und Kostümbildnerin Edith Head, zwei Ikonen des alten Hollywoods, konnten für diese Hommage gewonnen werden und leisten einen unbezahlbaren Beitrag zur perfekten Illusion.

Dieses filmische Experiment ist einzigartig und bietet auch bei mehrmaligem Sehen immer wieder neue Einblicke. Reiner und Steve Martin waren bereits ein eingespieltes Team, und der Spaß, den sie bei der Arbeit offensichtlich hatten, überträgt sich mühelos auf den Zuschauer. Martin und seine betörende Partnerin Rachel Ward albern sich mit todernsten Minen grandios durch den Film, ihre Dialoge parodieren köstlich die kühlen Wortduelle des Noir (Er:"Kommen Sie bald zurück, mir ist nach Küssen", Sie: "Fangen Sie nicht ohne mich an") sowie den lakonischen Voice Over ("In dieser Gegend war alles billig, sogar die Prostituierten hatten Ausverkauf"). Hier darf, kann und muss gelacht werden.

10/10

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