Dienstag, 16. Februar 2010

Topas (1969)

Alfred Hitchcocks TOPAS (Topaz) beruht auf dem gleichnamigen Spionageroman von Leon Uris und erzählt von einem französischen Geheimagenten (Frederick Stafford), der während des Kalten Krieges für die Amerikaner in Kuba spioniert, einen französischen Spionagering namens "Topas" aufdecken muss und dabei sich und die Menschen in seiner Umgebung in tödliche Gefahr bringt.

TOPAS ist in einer schwachen Phase Hitchcocks entstanden (nach "Torn Curtain" und vor seiner grandiosen Rückkehr zu alter Form mit "Frenzy"), und man merkt dem Film an, wie unglücklich Hitchcock selbst damit war. So beklagte er später in Interviews, dass der Film keine Identifikationsfigur bietet, dass man als Zuschauer kaum der wirren Handlung folgen kann, und dass die vielen internationalen Schauspieler mit ihren verschiedenen Akzenten (die aber dennoch alle Englisch sprechen, was inhaltlich kaum Sinn ergibt) den Film nicht tragen können. Besonders schwach ist Hauptdarsteller Frederick Stafford, der gleichzeitig verführerisch, raffiniert und emotional sein muss. Er bleibt aber durchgehend hölzern, blass und fühlt sich sichtbar unwohl. Das betrifft auch die meisten seiner Kollegen, unter denen sich brillante Mimen wie Michel Piccoli und Philippe Noiret tummeln, welche aber im Gesamtwerk untergehen. Die kraftvollste Darstellung kommt von John Vernon, der immer präsent ist und dem dritten Akt nach seinem Abgang schmerzlich fehlt.  
Hitchcocks Ansatz, das Spionagegeschäft als zynisch, sinnlos und grausam zu zeichnen (im Gegensatz zu den Bond-Filmen, die das Geheimagententum glorifizieren), geht zwar perfekt auf, hat aber auch zur Folge, dass man sich als Zuschauer nie für die Figuren oder die Geschichte erwärmt.

Was der Film zu bieten hat, sind schöne Außenaufnahmen, ein interessanter Score von Maurice Jarre und einige wenige (zu wenige) ungewöhnliche Kamerapositionen. In der besten Szene, die immer wieder bemüht wird, um zu zeigen, dass ein schwacher Hitchcock nicht ganz verkehrt sein kann, stirbt Karin Dor in den Armen von John Vernon, und während sie zu Boden gleitet, öffnet sich ihr purpurfarbenes Kleid wie eine wunderschöne Blume (einem Blutschwall nicht unähnlich) auf dem kalten Marmorfußboden. Solche Momente allein machen aber noch kein überzeugendes Gesamtwerk.

Dabei ist die erste Hälfte von TOPAS sehr ansprechend inszeniert, ganz besonders die lange (stumme) Exposition, die den Seitenwechsel eines russischen Geheimdienstlers schildert. Hier zeigt Hitchcock, wie er lediglich anhand von Bildern und Montage Spannung erzeugen kann. Die folgenden New York - und Kuba-Episoden sind ebenso sehenswert. Die zweite Hälfte aber - wenn der Film nach Paris kommt - fällt hoffnungslos ab und verzettelt sich in ermüdendem Geplapper, zu vielen Erklärungen und zu wenig Handlung. Das Ende ist - für Hitchcocks Verhältnisse -  geradezu jämmerlich. Weil er sein ursprünglich gewolltes Finale nicht behalten durfte (es fiel beim Testpublikum komplett durch), verwendete er mangels Alternativen eine bereits gedrehte Einstellung, die schlicht eingefroren wird. Da blutet einem das Herz.

Der beste Aspekt von TOPAS ist die ungeschönte, zynische Darstellung der Arbeit eines Geheimagenten, die für Hitchcock typisch ist. Wie schon Jahrzehnte zuvor in "Geheimagent" (1932) ist sein Spion kein charmanter James Bond, der die Action übernimmt, sondern er lässt den ganzen Film hindurch andere die Drecksarbeit machen. Menschen, die für ihn tätig werden, werden gefoltert und getötet, er selbst ist weder seinem Land noch seiner Frau treu. Dass das Publikum so einen Agenten lieber nicht sehen wollte, das hätte Hitchcock sich denken können, aber er bleibt hier seiner Einstellung verpflichtet. Geheimdienst ist ein schmutziges Geschäft für skrupellose Menschen und Mörder. Diese Haltung darf man bewundern.

In den letzten Jahrzehnten haben sich Fans immer wieder bemüht, dem Film die positiven Seiten abzugewinnen, und auf der DVD bemüht sich auch Filmexperte Leonard Maltin (zu sehr) in einem Extra, den Thriller schönzureden. Doch dass ein schwacher Hitchcock immer noch besser ist als jeder andere Thriller ist nur bedingt wahr, so gern man auch zustimmen möchte. Schließlich hat Hitchcock selbst den Film abgelehnt. Man darf ihm das letzte Urteil über TOPAS überlassen. Ich schwanke in meinem Urteil, habe mich bei TOPAS schon gelangweilt und gut unterhalten, finde ihn aber auf jeden Fall interessanter als "Torn Curtain".

07/10

1 Kommentar:

  1. Hallo Ralf, ich sehe mir TOPAZ auch gerne an, allerdings nicht so oft wie andere Hitchcocks, er hat schon einige sehr schöne Szenen. Es ist nur so schade, dass die tollen Schauspieler wie Piccoli so wenig Raum bekommen und stattdessen der langweilige Stafford immer im Bild ist. Gruß!

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