Mittwoch, 17. Februar 2010

Tödliche Entscheidung (2007)

TÖDLICHE ENTSCHEIDUNG, der im Original den wundervollen Titel "Before The Devil Knows You're Dead" trägt, erzählt von zwei Brüdern (Ethan Hawke und Phillip Seymor Hoffman), die aus Geldnot das Juweliergeschäft ihrer Eltern ausrauben wollen. Als jedoch ihre Mutter bei dem Coup lebensgefährlich verletzt wird, beginnt eine Familien-Tragödie griechischen Ausmaßes...

Bereits in seiner ersten Sequenz, einer überraschend offenherzigen und drastischen Sex-Szene zwischen Philip Seymour Hoffman und Marisa Tomei, wird deutlich, dass es sich bei TÖDLICHE ENTSCHEIDUNG nicht um einen gewöhnlichen Thriller handelt.
Der Film wurde von dem sage und schreibe 83-jährigen Sidney Lumet inszeniert, der zu den besten amerikanischen Schauspieler-Regisseuren aller Zeiten gezählt werden darf, und so ist dieses erstaunliche Spätwerk auch ihn erster Linie eine Tour de Force seiner Darsteller, allen voran Philip Seymour Hoffman, der eine unglaublich intensive, packende Darstellung als völlig verkommener, drogensüchtiger Loser im feinen Anzug liefert, vor dem man in jeder Minute mehr Angst bekommt. Zusammen mit Ethan Hawke als heruntergekommenem Loser und dem großen Albert Finney als Vater der beiden ergeben sie das gestörteste Vater-Sohn-Beziehungsgeflecht, das in langer Zeit zu sehen war.

Allein Marisa Tomei wird in ihrer kleinen Rolle als Frau von Hoffman (und Geliebte von Hawke) etwas verschenkt, der Film konzentriert sich fast ausschließlich auf seine Männerfiguren. Der Handlungsablauf wird nicht chronologisch entwickelt, sondern in ständigen Rück- bzw. Vorblenden erzählt, muss vom Zuschauer selbst zusammengesetzt werden (à la "Memento"). Szenen wiederholen sich jeweils aus der Sicht verschiedener Charaktere und wichtige Verständnis-Details erhält man unvorbereitet, so bleibt der Film durchgehend faszinierend und spannend. Regisseur Lumet erklärte, dass er weg vom reinen Thriller-Drama bewusst in Richtung klassisches Melodram gehen wollte, weshalb die unglaublichen dramatischen Wendungen im letzten Akt nicht für jeden nachvollziehbar sein dürften. Sie entfalten aber eine Wucht, die ihresgleichen sucht. TÖDLICHE ENTSCHEIDUNG ist keine leichte Kost und alles andere als ein Wohlfühl-Film. Er bietet keine Identifikationsfigur oder einen einzigen sympathischen Protagonisten, seine Welt ist düster und bedrückend, die Schauplätze bewusst schmucklos und hässlich, am Ende bleibt ein deprimierender Nachgeschmack. Als Schauspielerfilm ist er aber ein saftiger Leckerbissen und ganz klar einer der besten Filme des Jahres. Dass dieses meisterhafte Werk im Kino unterging, spricht nicht gegen den Film, sondern unsere Kinolandschaft.

9.5/10

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