Dienstag, 16. Februar 2010

Tod in Venedig (1971)

Viscontis "Tod in Venedig" ist eine äußerst sensible Umsetzung der Vorlage von Thomas Mann. Die Änderungen, die Visconti vorgenommen hat (Bogarde als Aschenbach ist in der Novelle Schriftsteller, hier Komponist) schaden der Geschichte überhaupt nicht, im Gegenteil. Durch die Einbeziehung von Gustav Mahlers Musik in den Film sowie Mahlers Person in die Aschenbach-Figur bekommt der Film eine zweite Ebene und neue Dimension, während die Essenz der Story unangerührt bleibt.
Visconti taucht sein Venedig in schaurige, teilweise morbide Bilder, und sein Inszenierungsstil ist langsam, fast bedächtig. Hier liegt vielleicht die einzige Schwäche des Films. Hin und wieder schrammt "Tod in Venedig" haarscharf an gepflegter Langeweile vorbei und droht eine der klassischen, spröden Literaturverfilmungen zu werden. Aber die hervorragende Leistung von Dirk Bogarde als zutiefst verunsicherter, in hoffnugslosem Begehren verfallener Künstler, gleicht diese Schwächen immer wieder mühelos aus. Wenn er auf der Suche nach seiner verlorenen Jugend überschminkt und ausstaffiert wie eine groteske Marionette seinen letzten Gang zum Strand antritt, erreicht der Film seinen künstlerischen Höhepunkt und berührt zutiefst.

08/10

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