Mittwoch, 17. Februar 2010

Tod im Spiegel (1991)

Wolfgang Petersens Hollywood-Debut TOD IM SPIEGEL (Shattered) aus dem Jahr 1991 war kein großer Kassenerfolg, ich mochte ihn aber schon damals und konnte nun auf DVD feststellen, dass er die Zeit sehr gut überdauert hat und kaum gealtert ist, wenn man von einigen Schulterpolstern der Kostümabteilung absieht.

Sogar für heutige Verhältnisse ist der Thriller rasant inszeniert und läuft durchweg auf Hochspannung, und wie so oft bei dem großen Vorbild Hitchcock, auf den TOD IM SPIGEL mehrfach anspielt, besteht die Spannung aus einer simplen Frage, die der Zuschauer unbedingt beantwortet haben will - was ist vor dem schrecklichen Unfall passiert, der Dan Merrick (Tom Berenger) entstellt und sein Gedächtnis ausgelöscht hat? Nachdem dieser aus dem Krankenhaus entlassen wird, häufen sich die Anzeichen, dass sowohl er als auch seine Frau (Greta Scacchi) ein außereheliches Verhältnis hatten ("Ich hatte eine Affäre, aber ich weiß nicht, mit wem!"), dass vielleicht ein Mord geschah, oder dass sogar der Unfall selbst, bei dem die undurchsichtige Gattin keinen Kratzer abbekam, möglicherweise ein Mordanschlag war. Wem kann Dan überhaupt noch trauen?

Regisseur Petersen nutzt gekonnt die stimmungsvollen San Francisco-Locations, die wir teilweise schon aus "Vertigo" kennen, ohne jemals mit dem Finger darauf zu zeigen, sie werden organisch in die Handlung eingebunden. Er findet zudem wuchtige Bilder für die zersplitterte Erinnerung Merricks - Bilder von zerschmetterndem Glas, Meeresbrandung und mehrfache Wiederholungen des Unfalls. Wenn Berenger vor einem gigantischen Schiffswrack steht, in welchem sich die Lösung des Rätsels verbirgt, und das wie ein Geist aus dem Nebel auftaucht, stockt einem schon kurz der Atem.
Die Schauspieler agieren allesamt hervorragend, wobei besonders Bob Hoskins als schrulliger Privatdetektiv, der hauptberuflich eine Tierhandlung betreibt (Lieblingsbuch: Orwells "Farm der Tiere"), begeistert. In der Hauptrolle muss Tom Berenger einen schwachen und bemitleidenswerten Helden spielen, der den Ereignissen immer hinterher rennt und erst gegen Ende die Initiative ergreift.

TOD IM SPIGEL spielt weder in der Realität, noch handelt er von "echten" Menschen oder erzählt etwas Wesentliches über das Leben, es zählt nur die raffinierte Konstruktion der Geschichte. Für den Zuschauer bleibt keine Zeit zum Nachdenken, die Ereignisse überschlagen sich von Beginn an, und das Finale liefert einen Twist, den man kaum vorhersehen kann, und der es wirklich in sich hat - auch wenn er vollkommen unglaubwürdig ist und hundert neue Fragen aufwirft. An dieser Stelle aber ist der Film bereits vorbei, und man wurde knappe 90 Minuten lang absolut spannend und hochklassig unterhalten. Für mich einer von Petersens besten Filmen, weil er die pure Lust am Kino vermittelt.

08/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...